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Patrick Mai (Club dkd, Shanghai, China)
Interviews | 03.10.2007 - 17:37:00
... unser Gast-DJ zu 8 Jahre Toxic Family
Seite 1: Patrick Mai (Club dkd, Shanghai, China)

Dass wir zu Asien eine besondere Bindung haben, dürften viele von Euch wissen. Umso mehr freuen wir uns natürlich, dass wir Euch anlässlich unseres achten Geburtstages von Toxic Family etwas ganz Besonderes zu unserer Party im Tanzhaus West präsentieren können. Denn, zum allerersten Mal in Deutschland, wird an diesem Abend Patrick Mai aus Shanghai (China) für Euch an den Plattentellern stehen. Doch bevor Ihr Patrick in Aktion erleben dürft, möchten wir Euch Ihn und seine Heimat traditionell im Interview etwas näher bringen. An dieser Stelle auch noch einmal ein großes Danke an MRM und Esevenhead für die Überarbeitung der deutschen Übersetzung. Und nun viel Spaß mit Patrick Mai im Interview.

Ohyate: Erzähle uns doch als aller erstes etwas über Dich! Erinnerst Du Dich noch an den Tag, an dem Dich die Musik zum ersten Mal berührt hat? Und wann hast Du Dich entschieden DJ zu werden, und was genau fühlst Du beim Auflegen?

Patrick Mai: Ich erinnere mich noch ganz genau an den Tag, an dem ich zum allerersten Mal die Musik fühlte. Glaub es oder auch nicht, es war weder in einem Club noch auf einer Rave Party, sondern es war auf einer Underground Punk Rock Show.

Als ich ca. 15 Jahre alt war verbrachte ich den Sommer im Haus meiner Großmutter in den USA. Ich kaufte mir einige Green Day CDs in einem Laden, wo mich der Verkäufer fragte: „Magst Du Punk Musik?“. Natürlich hatte ich damals keine Ahnung von Musik, also sagte ich einfach „JA!“. Daraufhin drückte er mir einen Flyer in die Hand und sagte mir, dass ich dort wahre Punk Musik erleben würde. Das war der wahre Underground…dieses Event fand in einem Keller eines Hauses auf einer Farm in den Wäldern statt. An dem Abend spielten nur lokale Bands. Ich wurde sofort von dem Gefühl: „Jeder durch die Musik vereint“, das in dem Raum vorhanden war, gefangen genommen. Es herrschte eine unheimliche Community an diesem Abend, die nur durch die Musik entstand. Die Energien jenes Abends waren gewaltig und es fühlte sich so an, als ob ich wirklich zu dieser Sub-Kultur und zu dieser Musik gehören würde. Es war wirklich ein unglaubliches Gefühl.

Als ich zurück nach Taiwan ging beschloss ich, dass ich genau diese Szene dort auch finden möchte. Ich hatte viele Freunde und entdeckte dadurch die Musik aus dem Untergrund. Zu diesem Zeitpunk brachte ich mir das Gitarrespielen selbst bei und trat in eine Band ein. In diesen U.S. und Taiwan Untergrund Szenen bildeten sich meine Wurzeln des Musik-Genusses, denn genau durch diesen Untergrund lernte ich den Unterschied vom einfachen Hören bis hin zum wirklichen „Erleben“ der Musik.

Über die Jahre öffnete ich mich mehr und mehr für andere Musikrichtungen, speziell die elektronische Musik faszinierte mich mehr und mehr. Und im Grunde war es die Trance-Musik, die mich in die Welt der elektronischen Musik brachte. Auch wenn man sagen kann, dass dieses Medium ganz anders war, die Gefühle der Musik, die Melodie, die Emotionen und Dimensionen entfachten ein Gefühl in mir, wie keine andere.

Nachdem ich 2002 meine Graduierung im College hinter mich gebracht hatte, beschloss ich nach Shanghai zu ziehen. Shanghai war wirklich ganz anders als Taipei…. es war größer, lauter and sehr unwillkürlich. Shanghai war 2002 noch im kindlichen Status der musikalischen Entwicklung. Es gab nur wenige DJs die zu dieser Zeit Trance oder progressive Musik spielten. Genau das motivierte mich damals DJ zu werden. Ich wollte meine Musik für die Chinesen spielen, damit diese genau das gleiche Gefühl erfahren wie ich in jungen Jahren. Das Auflegen ist für mich eine Möglichkeit „den Spirit der Musik“ wiederzugeben. Wenn ich auflege fühle ich mich nicht, als würde ich nur Platten spielen, sondern als wäre ich eins mit der Party, quasi das gleiche Gefühl, das ich bei meiner ersten Punk Show erlebt hatte. Und genau dieses Gefühl ist noch heute in mir, wenn wir von DJ Patrick Mai sprechen.

Ohyate: Produzierst Du eigentlich auch?

Patrick Mai: Ich bin noch im Anfangsstadium des Erlernens der Musikproduktion, aber es ist etwas, was ich schon seit sehr langer Zeit machen möchte. Der DKD Club baut gerade ein eigenes Studio auf, was mich unheimlich freut. Wir, im DKD, möchten der erste chinesische Club sein der sein eigenes Label hat, welches lokale Produzenten fördert. Einen großen Club hinter sich stehen zu haben, ist natürlich ein grosser Vorteil, denn dadurch lerne ich ständig. Wenn ich bei Euch in Deutschland spiele habe ich vielleicht meinen ersten Track, den ich dann im Club ausprobieren kann. Allein der Gedanke, einen selbst produzierten Track in einem Club zu spielen ist für mich quasi das höchste der Gefühle.

Ohyate: Was für eine Person ist Patrick in seinem Leben außerhalb des Clubs?

Patrick Mai: Du wirst es nicht glauben wenn Du mich auflegen siehst, aber im privaten Leben bin ich ein sehr ruhiger, zurückhaltender Mensch. Das Auflegen und das Steuern des DKD Clubs kosten mich unheimlich viel Zeit. Wenn ich also mal Freizeit habe, dann möchte ich diese daheim mit meiner Freundin oder engen Freunden verbringen. Wir müssen gar nicht viel machen, nur ein wenig Musik hören, nette Leute um mich herum und eine entspannte Atmosphäre. Mein Lifestyle ist sehr ausgeprägt und wahrscheinlich gerade deshalb liebe ich es einfach nur zu chillen oder auch nur mit mir alleine zu sein. Dies ist entspannend. Ich genieße einfache Dinge wie Essen gehen, Fernsehen oder meine Lieblingsmusik zu hören.

Ohyate: Hast Du spezielle Ziele, die Du im Privaten und im Geschäftsleben erreichen möchtest?

Patrick Mai: Im Privaten bin ich mir nicht sicher, denn da gibt es so viel was ich Bewältigen kann. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Leben in Shanghai, denn diese Stadt ist seit bereits 6 Jahren meine Heimat. Hier habe ich Freunde und Familie, hier habe ich mich niedergelassen. Auf der musikalischen Seite jedoch denke ich, habe ich noch einen gigantischen Weg zu bewältigen. Der nächst größere Schritt werden eigene Produktionen sein. Ich möchte Musik produzieren, die Menschen berührt, genauso wie sie mich berührt hat.

Ohyate: Wie siehst Du die Musik Szene in China oder besser gesagt Shanghai?

Patrick Mai: Shanghai ist eine sehr internationale Stadt, so dass es verschiedene Musikszenen gibt. Wie jede große Stadt gibt es eine kommerzielle Szene, eine Trend-Szene und eine Untergrund Szene. Persönlich denke ich ist es der „Vibe“ der Stadt, der jede Szene – egal in welcher Du Dich befindest – so besonders erscheinen lässt.

In der Underground Szene versucht jeder sein eigenes Ding zu starten, und bis heute wird jede einzelne Underground Szene respektiert, so dass wir uns in einer gesunden musikalischen Umgebung befinden.Ob das auch so bleiben wird, ist wirklich schwer zu sagen, denn Vorhersagen über Shanghai zu treffen ist quasi unmöglich und die Dinge ändern und entwickeln sich so schnell, dass einige Leute Schwierigkeiten haben sich anzupassen. Ich jedoch bin sehr froh, dass die Leute, die in der Musikszene tätig sind, wirklich mit dem Herzen bei der Sache sind und der vereinte Spirit, der zwischen jeder einzelnen Szene herrscht, bringt die Stadt unheimlich vorwärts.

Ohyate: Wie ist es mit den Einheimischen? Wie entwickeln sich Chinesen mit der Musik?

Patrick Mai: Es ist sehr wichtig zu erwähnen, dass die Chinesen – selbst in unserer Generation – nicht mit einem solchem Zugang zu unterschiedlicher Musik aufgewachsen sind, wie es die Menschen im Westen sind. Erst seit Ende der 90ger ist Musik speziell durch Medien wie das P2P File Sharing allen zugänglich. Für den Verkauf der Musikindustrie ist das natürlich eine sehr negative Sache, jedoch sind, werden die Chinesen mehr und mehr von dem Sound aus dem Untergrund gefangen genommen und suchen dadurch mehr speziell nach diesen Klängen. Es ist ja im Grunde so, wenn die Menschen keinen direkten Zugang zur Musik haben, lernen sie die Musik mehr zu schätzen.

Auf der anderen Seite jedoch legt wirklich nur ein winziger prozentualer Anteil der Chinesen hohen Wert auf Musik, was mit der Kultur zu tun hat. Chinesen, speziell in Shanghai, sind mehr an der Oberfläche interessiert anstatt tiefer zu blicken. Der Großteil der Partyszene sieht die Musik nicht als Hauptbestandteil eines Abends, sondern interessiert sich im Grunde nur dafür, dass der Sound pumpend ist. Genau das ist es was es für DJs schwierig macht, die verschiedene Arten von Musik präsentieren wollen. Jedoch ist Shanghai so groß, dass es wirkliche Musik-Liebhaber gibt, die die Szene auch zusammenhalten und Gott sei Dank steigt die Zahl dieser wahren Musik-Interessierten.

Ohyate: Wir wissen gerade durch das Fernsehen und vielen Berichten, dass Chinesen gerne und alles mögliche kopieren. Wie ist es nun bei einem lokalem DJ und Produzenten in China. Kopiert dieser einfach nur den Stil eines ausländischen Gastes oder kreieren sie doch ihren eigenen Stil? Wenn ja, wie funktioniert das?

Patrick Mai: Das ist eine gute und schwierige Frage. Zurzeit ist die elektronische Musik in Shanghai und Peking sehr unterschiedlich zu der im Westen. Man kann jedoch auch sagen, dass die meiste elektronische Musik, die amerikanische DJs spielen, aus Europa kommt. Deshalb denke ich, dass es gar nicht so eine schlechte Sache ist, dass die Musik so anders ist. Auf der anderen Seite ist es eine natürliche Sache, dass man, wenn man gerade erst als DJ angefangen hat, seinen favorisierten Style und DJ imitiert. Als sich die Club Szene in China entwickelt hat, haben sich die chinesischen DJs natürlich auch entwickeln können, so dass viele ihren eigenen Stil des Spielens ausländischer Musik gefunden haben. Dies ist sehr deutlich zu erkennen wenn Ihr andere chinesische Städte besucht. Die DJs aus Peking spielen einen deutlich anderen Stil als die aus Shanghai, zum Beispiel hört man das nicht nur im Mixen raus, sondern auch in ihrem Musik - Programm. Ich würde sagen, dass die Sets aufbauender wirken und die Musikselektion wesentlich düster, tiefer und treibend ist. Der Style in Shanghai hingegen ist mehr auf upbeats und Melodien fokussiert. Des Weiteren ist ein Wechsel in den Musikrichtungen an einem Abend wesentlich schneller. Diese verschiedenen Mix-Arten sind meiner Meinung nach eine Manifestation verschiedenere Kulturen zweier Städte. Denn Peking war schon immer mehr traditionell angehaucht, während in Shanghai immer eine Art Unruhe und schnelle Veränderung herrschte.

Ohyate: Ist Dein Gig in Frankfurt Dein erster außerhalb Asiens? Und was erwartest Du?

Patrick Mai: Ja, es ist mein erster Gig außerhalb von China und ich habe absolut keine Ahnung was mich erwartet, und genau das ist es, was es für mich so spannend macht. Ach ja, ich war auch noch nie in Deutschland.

Ohyate: Wie bereitest Du Dich auf den Gig im Tanzhaus vor?

Patrick Mai: Natürlich auf die gleiche Weise, wie ich mich für jeden anderen Gig vorbereite. Jedes Mal wenn ich in einem Club spiele, lerne ich die Tracks besser kennen, ich bekomme ein stetig besseres Gefühl diese besser zu mixen. Und so hoffe ich, dass Toxic Family und natürlich das Publikum genau so wie in Shanghai/Peking oder Taiwan auf meine Musik reagiert.

Ohyate: Wenn wir über den DKD Club in Shanghai sprechen, was ist das überhaupt für ein Club und auf was liegt sein Fokus und was macht ihn so speziell?

Patrick Mai: Der DKD Club ist einer von Shanghais ältesten „Underground“ Clubs. Ich habe das Wort Underground in Anführungszeichen gesetzt, da es manchmal schwer zu definieren ist, was Underground ist. Einige Europäer würden die Musik im DKD wahrscheinlich als kommerziell bezeichnen, dennoch muss ich dazu sagen, dass der DKD Club speziell seit der Eröffnung 1999 ein Pionier in Sachen progressiver Dance Musik in Shanghai ist.

DKD bedeutet: “Dekadenz killt Depressionen“ und hat quasi 3 Neu-Eröffnungen seit 1999 erlebt. Der erste DKD Club war sehr klein, bestand gerade mal aus 2 Floors mit einer maximalen Kapazität von 200 Gästen. Damals spielte absolut niemand in Shanghai Hip Hop. Dieses sollte Euch eine Idee geben, wie unterentwickelt die Musikszene damals war, als der DKD Club seine Tore öffnete. Der Besitzer und Begründer Julian Xu ist tagsüber Architekt und ein DJ in der Nacht. Als Besitzer hatte er natürlich die hundertprozentige Macht über die Musikrichtung…er wollte Musik und Ästhetik in einem verbinden. Und genau das ist es, was den DKD Club zu einem solch speziellen Ort machte. Kein anderer Club in Shanghai sah so aus wie der DKD, kein anderer Club in Shanghai spielte eine ähnliche Musik wie der DKD.

Sehr langsam, über die Zeit von 1999 – 2003, entwickelte sich der Ruf, dass es sich hierbei um einen Club für wirkliche Musikliebhaber handelt. Zu jener Zeit entdeckte ich das DKD als tanzwütiger Kunde, wie jeder andere Gast, ich war noch nicht einmal ein DJ. Auch wenn im DKD zu dieser Zeit noch kein Trance gespielt wurde – es wurde mehr progressives House und Techno gespielt – wusste ich sofort, dass dieser Ort was Spezielles ist. So wurde ich sehr schnell ein täglicher Gast des Clubs und baute mir sehr schnell einen sehr großen Freundeskreis mit anderen Musikverliebten auf. Der DKD war nebenbei der erste Club der Vodka-Redbull verkaufte, der erste Club der Techno Musik spielte, der erste Club der seine eigene Online-Chinese-Community bildete… ach da gibt es so vieles aus der Historie zu erzählen.

In 2004 musste der DKD Club schließen, da es in dem Gebiet, wo der Club stand einige Restriktionen von der Regierung gab. Jedoch versprach der Besitzer den Club an einem anderen Ort wieder aufzumachen. Nach 6-monatiger Suche fand Julian Xu eine neue perfekte Location und eröffnete sehr bald wieder den Club. Der „zweite“ DKD Club war ein reiner Underground Club, der Julians Ideen widerspiegelte. Zu dieser Zeit war das architektonische Design absolut individuell, denn kein anderer Club in Shanghai sah dem DKD auch nur ähnlich. Der ganze Club wurde um die Soundanlagen gebaut und die DJ Kanzel war die größte und angenehmste, die es je in Shanghai damals gab. Schließlich begann das DKD hochqualitative Namen nach Shanghai zu buchen, wie z.B. Miss Kitten, Nick Warren, Carl Cox, Infusion, Frank Muller, Steve Lawler und natürlich die Top-10-DJs wie Armin van Buuren, und Paul van Dyk, sowie weniger bekannte progressive DJs wie Randall Jones und Glenn Morrison. Neben den internationalen Größen wurde der DKD Club auch ein Meilenstein für lokale Progressive und Elektro DJs wie Calvin Z, Mansun Lui and natürlich mich. Ich möchte behaupten, dass das DKD die progressive Szene in Shanghai aufgebaut hat, da es vor dem DKD noch keine gab.

Jetzt, 2007, wurde das DKD komplett neu renoviert. Der architektonische Stil hat sich verändert und reflektiert mehr den „chinesischen“ Stil eines Nachtclubs, jedoch die Musik und die Seele sind gleich geblieben. Jetzt könnte man schon sagen, dass die Musik nicht mehr „Underground“ ist, da ehemalige DKD DJs ihren eigenen Club besitzen, dies jedoch ist eine natürliche Entwicklung der Szene und das DKD ist sehr stolz darauf den Grundstein für alles gelegt zu haben.
Meine persönliche Meinung ist, dass unsere Musik immer noch Underground ist, was jedoch diskutiert werden kann. Wir bleiben unseren progressiven Wurzel treu, denn speziell in China wo Clubs alle 6 Monate öffnen und wieder schließen, ist es eine ungeheure Leistung nach 8 Jahren immer noch gut in der Szene dazustehen und einen erfolgreichen Club zu führen.
Ich glaube wirklich, dass die progressive Szene nicht dort stehen würde, wo sie heute steht, wenn es nicht den DKD Club gegeben hätte.

Ohyate: Wie Du bereits erwähntest, hast Du die Musik zum ersten Mal in den USA gefühlt. Bist Du nun Amerikaner? Und wenn ja, wie kommt es, dass Du in Taiwan gelebt hast?

Patrick Mai: Also ich bin Amerikaner, bin allerdings in Übersee geboren worden. Ich ging auf die Internationale Schule, welches das amerikanische System geschult hat und schloss mein Studium in den USA ab. Die Frage jedoch, ob ich Ami bin, ist sehr schwer zu beantworten, da ich die meiste Zeit meines Lebens – 15 Jahre – in Taiwan gelebt habe und jetzt wohne ich bereits seit 5 Jahren in China. Natürlich würde ich nicht sagen, dass ich Chinese bin, aber ich denke es wäre fair zu sagen, dass Chinesen und oder die asiatische Kultur einen großen Anteil an Einfluss auf mein Handeln, meine Entscheidungen usw. hat. Viele Menschen verstehen das leider nicht, da ich Englisch mit einem flüssigen amerikanischen Akzent spreche. In mir drin bin ich manchmal gar nicht sicher, was ich bin. Alles was ich weiß ist, dass es mir hier in Shanghai sehr gut geht. Ich denke, es ist für mich wesentlich einfacher hier zu leben, als für die meisten anderen Amerikaner.

Ohyate: Wie hast Du es geschafft DJ in diesem Land zu werden? War es sehr schwer, oder musstest Du einfach Deine Seele verkaufen *grins*?

Patrick Mai: Das ist eine sehr gute Frage. Ich glaube, dass ich mich als sehr glücklich schätzen kann, denn Ausländer bzw. ein „ausländisch aussehender“ DJs in China zu sein, dass hat mir viele Tore geöffnet. Viele meiner ersten Gigs bekam ich nur dadurch, dass es neu war ein ausländischer DJ zu sein, der auch noch chinesisch spricht. Dies ist jedoch ein zweischneidiges Schwert, denn ich wurde wegen meinem Aussehen gebucht, und nicht wegen der Musik, was leider nicht der Weg war, den ich gehen wollte.

Asiatisch aussehende DJs haben es sehr schwer im Moment Gigs zu bekommen, denn die Einstellung der Clubber, dass ein ausländischer DJ etwas Besonderes ist und dass durch diesen mehr Tickets verkauft werden, dominiert. Es ist wie bei Euch bei einem weiblichen DJ, die bekommt meistens auch mehr Gigs, nur wegen ihrem Aussehen und nicht wegen der Musik. Auch wenn sich das gerade verändert, größere Städte wie Shanghai und Peking sind für den Wandel bereit, jedoch in kleineren Städten funktioniert dies immer noch. Es ist ein sehr sensibles Thema, denn es ist nicht gut die Szene DJs nur wegen ihrem Aussehen zu buchen. Viele weise DJs sind hierher gezogen, um durch das Auflegen ihr Haupteinkommen zu sichern, die bestimmt nicht „nein“ sagen würden, wenn ein höheres Angebot aus einer kleineren Stadt kommen würde, den Clubs in kleineren Städten zahlen eine höhere Gage als Städte wie Peking oder Shanghai.

Diese Mentalität sorgt dafür, dass chinesische DJs viele Nachteile haben. Wo wir gerade bei dem Satz „Seele verkaufen“ sind, viele chinesische DJs sind bereit für eine minimale Gage aufzulegen, nur um Auflegen zu können. Und sehr oft sogar noch dazu, Musik zu spielen, die der Club vorgibt und nicht die, die sie gerne spielen würden. Chinesische DJs, die es geschafft haben, wie z.B. Calvin Z oder DJ Dio müssen über die Jahre wesentlich härter arbeiten, um an den Punkt zu kommen, an dem sie jetzt stehen. Für weise DJs heißt es meistens, dass sie diverse Schritte in ihrer Karriere überspringen können, die die lokalen Chinesen alle bewältigen mussten. Gerade deshalb muss man echt sagen, dass die älteren chinesischen DJs respektiert werden sollten, egal ob sie die Musik spielen, die man mag oder nicht.

Zurzeit, als Creative Director und Haupt-Resident für das DKD, bin ich sehr froh nicht diese Probleme zu haben. Das DKD hat die Politik einem weisen DJ nicht mehr zu bezahlen als einem chinesischem DJ. Jeder hat auf dem Markt in Shanghai einen Preis, basierend auf der Erfahrung in China und chinesischen Clubs gespielt zu haben. Genau aus diesem Grund sind viele Europäer nicht bereit hier zu spielen, da die Bezahlung zu niedrig ist. Auf der anderen Seite können diese DJs IHRE Musik spielen. 

Ohyate: Wie schwer, oder leicht war es denn dann in den DKD Club zu kommen? Oder anders ausgedrückt, war es schwierig in den Shanghai Markt zu gelangen?

Patrick Mai: Es war für mich, im Gegensatz zu anderen DJs, nicht besonders schwierig für in das DKD zu kommen. Der Hauptgrund ist, dass ich ein Gast dieses Clubs war, länger als ich dort DJ bin. Die Angestellten und der Chef sind wie eine Familie für mich, und während er noch nicht bereit war, mich als Resident DJ einzustellen, musste ich schnell genug Erfahrungen sammeln, um dort zu spielen. Ich wurde dann offiziell gefragt, ob ich der DKD Familie beitreten wolle. Vor dem DKD spielte ich auf individuellen Partys und war kurzzeitiger Resident in verschiedenen Clubs zwischen Shanghai und Hagzhou. Einige von diesen Clubs sind kommerziell, andere waren organisiert von Leuten die sich um den Drogenhandel kümmerten. Da ich jeweils etwas Neues in jedem Club lernte, wie z.B. das Auflegen oder die Club-Industrie selber, war es für mich sehr angenehm aus diesen Situationen herauszukommen und in einem ordentlichen Club wie dem DKD zu spielen. Das soll natürlich nicht bedeuten, dass ich seitdem nichts mehr Neues lerne, im Gegenteil, ich lerne jedes Mal etwas über das Auflegen, wenn ich im DKD spiele. Den größten Teil meines Stiles, Mixens und der Musikauswahl lernte ich durch das Spielen vor dem DKD Publikum. Und jetzt 2 Jahre nach fast täglichem Auflegen in diesem Club, ist es für mich unglaublich spannend in Deutschland aufzulegen.

Ohyate: Wo, außer in Taiwan und Shanghai hast Du schon gespielt?

Patrick Mai: Ich habe noch nie in Taipei aufgelegt, aber ich würde es gerne. Ich habe mit dem Auflegen in China begonnen und nun ist es das 1. Mal, dass ich außerhalb von China spiele. Dadurch ist es ein wenig schwierig das Ganze aus der Sicht eines DJs zu beschreiben, von daher möchte ich das Ganze aus der Sicht eines Clubbers beantworten.

Eine Sache, die die chinesische Clubkultur sehr speziell macht und stark von der westlichen Club-Kultur unterscheidet, ist, dass in China fast die komplette Rave Szene übersprungen wurde. Die chinesische Clubkultur entwickelte sich meist durch die KTVs (Karaoke Clubs mit großen privaten Räumen). Große KTVs haben neben diesen Räumen weitere kleine Säle, die aus Sitzmöglichkeiten und kleiner Tanzfläche bestehen. Und durch diese Lokalitäten sind chinesische Clubs entstanden. Dies ist auch der Grund, warum heute noch viele Clubs kleine Tanzflächen besitzen und ihr Hauptgeschäft aus dem Verkauf von Flaschen an den Tischen besteht. Dieser Tischservice ist sehr VIP im Westen, aber hier ist das etwas Normales. Ich habe sehr viele Europäer und Amerikaner, die nach Shanghai gezogen sind, gesehen, die sich über diese Art der Clubs beschwert haben, dass es keine richtige Tanzfläche gibt, jedoch haben diese auch nicht erkannt, dass die Clubszene hier nun mal anders funktioniert.

In China, speziell in Shanghai hat sich elektronische Musik ja wie gesagt durch die Clubs und Bars entwickelt, nicht aus der Rave Szene. Es gab schon den ein oder anderen Rave, jedoch ist es viel riskanter und schwieriger als in westlichen Ländern hier solch einen Event zu schmeißen. Ich denke das liegt daran, dass House Musik wesentlich früher einen Beliebtheitsgrad erreicht hat als Trance. In Peking ist es jedoch wiederum anders. Ich weiß von Freunden aus Peking und vom eigenen Auflegen, dass es dort wesentlich mehr Outdoor-Parties und Musik Festivals gibt als in Shanghai. Die YEN Party ist die größte und komplett durch die lokalen Pekinger DJs gestaltet (www.o2culture.com). Zurzeit haben wir nichts Ähnliches in Shanghai, da sich die Szene hier mehr in den Clubs abspielt.

Die Partymeute in Shanghai ist sehr auf „Ausgehen in Gruppen“ fokussiert. Es ist gar nicht so einfach neue Leute in den Clubs kennen zu lernen, da man sich mit sehr engen Freunden einen Tisch mietet und dort auch den Abend verbringt. Dieses ist wirklich ein großer Unterschied zu den Rave oder Pick-Up Parties, die ich im Ausland kennen gelernt habe. Im Westen ist es ganz normal ein Gespräch mit einer Person anzufangen, die neben dir steht, oder ein hübsches Mädchen anzusprechen. Hier jedoch kannst Du ganz schnell in eine Schlägerei geraten, speziell in einem Club, wo mehr ältere, reichere Leute sitzen, die sich später als Gangster entpuppen. Das ist nicht unbedingt eine schlechte Sache, es ist halt einfach nur eine andere Club-Kultur. Im Nischen – Markt wie das DKD, mischen sich die Leute mehr, also Tischgäste und Partypeople. In Clubs, in denen es mehr jüngere Gäste gibt, ist es natürlich wesentlich einfacher Freundschaften zu schließen.

Ohyate: Da die meisten Deutschen noch nicht in China waren und hauptsächlich ihre lokale Clubszene kennen: Kannst Du uns erzählen, wie eine typische Partynacht in Shanghai aussieht?

Patrick Mai: Es ist wichtig zu erwähnen, dass Shanghai eine sehr internationale Stadt ist und die Partyszene sich aus Einheimischen und Ausländern zusammensetzt. Die ausländische Bevölkerung ist überwiegend europäisch, hauptsächlich Franzosen, Engländer und Deutsche. Bei einer Vielzahl dieser Bewohner handelt es sich um Studenten und um Leute, die hier in Shanghai leben und arbeiten, nicht nur Touristen. Sie haben also ihren eigenen Feierstil, der sich vom einheimischen Stil unterscheidet und mehr eine Mischung aus vielen Stilen aus Europa, den USA und Australien darstellt. Es gibt viele Locations, die überwiegend ausländisch sind und welche, die überwiegend chinesisch sind, aber meiner Meinung nach sind die Locations, die eine Mischung aus beiden darstellen, die Spaßigsten und Interessantesten.
Eine typische Nacht in Shanghai hängt also sehr stark davon ab, welche Art von Erfahrung du suchst und mit was für Leuten du unterwegs bist. Studenten mögen es, den ersten Drink zu Hause zu sich zu nehmen und dann in Bars oder Clubs zu gehen, die ein „Flatratesaufen“ haben (es gibt hier viele davon, die bekanntesten sind „Mural“ und „Club Bonbon“).

Ausländische „young professionals“ neigen eher dazu, sich auf einen Drink in einer Bar oder einer Cocktail Lounge zu treffen und dann in einen Club zu gehen, oder sie gehen in verschiedene Bars und landen dann schließlich in einem der größeren Clubs wie dem „DKD“, „G+“, „Babyface“, „Muse“ oder „Attica“, ähnlich wie sie es auch in ihrer Heimat tun würden.

Einheimische wiederum verhalten sich ziemlich abweichend davon. Die meisten Shanghaier treffen sich mit ihren Freunden zu einem späten Abendessen und haben nur ein paar Bier, bevor sie direkt in einen Club gehen, in dem sie dann die ganze Nacht verbringen. Sie gehen also nicht von Club zu Club oder von Party zu Party wie die Ausländer. Shanghaier sind gewöhnlich weitaus früher in den Clubs, da viele von ihnen auch Tische reservieren und den ganzen Abend über Flaschen bestellen. Während im Westen ein Tisch-Service ziemlich „VIP“ ist, gibt es hier Tische mit unterschiedlichen Preisen und Größen. Bei den kleinsten reicht es, wenn du eine einzelne Flasche bestellst. Eine Flasche kostet im Regelfall ca. 60 – 70 EUR, wenn man die unter vier Leute aufteilt, ist das ganz erschwinglich. „Mixer“ sind nicht immer im Preis inbegriffen, das solltet ihr erst checken.

KTVs (Bars, in denen du trinkst und in abgetrennten Räumen Karaoke singst) sind hier auch sehr beliebt. Wie die Tische in den Clubs werden die Räume in den KTVs im Vorhinein gebucht, und einige der KTVs haben sogar 24 Stunden am Tag geöffnet. Das beliebteste und professionellste KTV ist das „Holiday“ (oder „Hao Le Di“ auf Chinesisch) und das ist auch das KTV, in das die meisten Leute gehen, die Spaß am Singen haben. Es gibt auch andere KTVs, aber da einige davon auch „spezielle“ Dienstleistungen anbieten, solltet ihr am Besten einen Einheimischen, der die Szene kennt, dabei haben, wenn ihr in ein unbekannteres KTV gehen wollt, damit ihr auch in den KTVs landet, die euren Erwartungen entsprechen ;)

Ohyate: Um wie viel Uhr gehen die Leute normalerweise in die Clubs?

Patrick Mai: Shanghaier kommen normalerweise so gegen zehn/ halb elf an und bleiben bis 2 oder 3 Uhr. Zu dem Zeitpunkt schließen dann auch die meisten Clubs. Die Ausländer kommen normalerweise nicht vor halb zwölf/ Mitternacht, und wenn der Club dann schließt, wird im Regelfall noch etwas zu Essen organisiert. Die zwei beliebtesten Restaurant – sowohl für Ausländer als auch für einheimische Partyleute – sind „Xinwang“ und „Bifengtang“ mit vielen, quer über die Stadt verteilten Filialen. Beide verkaufen chinesisches Essen und haben entweder 24 Stunden am Tag oder bis 5 Uhr morgens geöffnet. Es gibt auch ein 24-Stunden Restaurant mit amerikanischem Essen, das „City Diner“, das Samstags oder Sonntags morgens zwischen 4 und 5 Uhr immer brechend voll und natürlich sehr beliebt bei den ausländischen Feierleuten ist.

Die meisten Clubs schließen am Wochenende gegen 4 Uhr, das “DKD” hat Freitags und Samstags bis 5 Uhr geöffnet. Unter der Woche hat nur das „Babyface“ lange (bis 4 Uhr) geöffnet. Die Non-Stop Partyleute machen aber, nachdem die Clubs geschlossen haben, in einem der kleineren Afterparty-Läden wie “Lala Land” oder “Dragon” weiter. Solche speziellen Afterparty-Clubs haben dann am Wochenende normalerweise bis etwa 8 / 9 Uhr geöffnet. Die meisten vom harten Kern der Besucher vom „DKD“ gehen, nachdem wir schließen, ins „Lala Land“, da dort Progressive und Tech-House gespielt wird.

Ohyate: Wie sind denn die Leute und die Atmosphäre in den Clubs? Frenetisch abgehende Leute oder doch eher „typical nightlife“, bei dem man die Atmosphäre und die Musik genießt und eine gute Zeit hat? Und wie sieht es mit den Preisen aus? Wieviel wird ein Gast an einem normalen Abend im „DKD“ ausgeben?

Patrick Mai: Die Atmosphäre im Club hängt sehr stark davon ab, in welchen Club du gehst. „Bonbon“ ist der beliebteste Club für Studenten, da sie jeden Tag ein „open bar special“ haben, du kannst dir also vorstellen, dass die Partystimmung sehr alkoholgeschwängert ist. Den meisten Chinesen gefällt das „Babyface“, da es jeden Tag (auch sonntags und montags) brechend voll ist und sowohl einen Main-Floor, auf dem kommerzielle elektronische Musik gespielt wird, als auch einen Hip-Hop-Floor hat. Das „Babyface“ spricht somit die größte Masse an. Das „Attica“ ist ein „Nobelclub“, der sich mehr an die Europäer richtet. „G+“ und „Muse“ richten sich eher an die gehobeneren Einheimischen. Nischenclubs wie das „DKD“ richten sich an die Leute, die Spaß an der Musik, die wir spielen (Progressive House, Progressive Trance, Electro), haben. Wir haben also eher eine Stimmung, die von der Musik abhängt. Freitags oder Samstags sind also Hände in der Luft und Schreie typisch. Im “G+” wird auch Progressive gespielt, aber die Location ist weitaus größer und mehr für große, internationale DJ-Parties geeignet.

Der Eintritt im “DKD” beträgt ca. 6 EUR inkl. eines Freigetränks. Die Getränke an der Bar liegen bei durchschnittlich ca. 4.50 EUR und eine Flasche kostet so zwischen 60 und 90 EUR. Wenn du einen Tisch reservieren möchtest, solltest du das am Besten im Vorhinein tun, wobei die Chancen, als Tourist einen guten Tisch zu bekommen, eher schlecht sind, da die besten Tische in den Clubs normalerweise für Stammgäste reserviert sind, die jedes Wochenende vorbeikommen.

Ich denke, es ist wichtig zu sagen, dass Shanghai eine sehr schillernde Stadt ist, in der Clubs jedes halbe Jahr öffnen und schließen. Meine Beurteilung ist also nur ein Querschnitt durch die Partyszene hier in 2007. Es ist schwer zu sagen, ob die „hot spots“ in einem Jahr oder vielleicht sogar schon in einem halben noch die gleichen sind wie jetzt. Dieses schnelle Tempo ist das, was so besonders an Shanghai ist und was diese Stadt so interessant und aufregend für die meisten Leute macht. Aber solltet ihr Progressive mögen, ist das „DKD“ auf jeden Fall DER Club und es ist auch einer von nur zwei Clubs, die länger als 8 Jahre in Shanghai existieren, eine unglaubliche Leistung.

Mein größter Tipp, den ich euch geben kann, wenn ihr als Tourist hier ausgehen wollt: Seid smart, geduldig und aufgeschlossen. Denkt daran, dass Shanghai nicht Paris, Berlin, London oder New York ist. Diese Stadt hatte schon ihren einzigartigen Stil, lange bevor ihr hier hergekommen seid und die meisten Menschen sprechen nicht eure Sprache. Der absolut beste Weg für Touristen, um einen Einblick zu erhalten, was in der Stadt abgeht, sind entweder die fast immer kostenlosen englischsprachigen „Partyguides“ in den Hotels („8days“, „SH Talk“, „That’s Shanghai“) oder die nightlifebezogenen und kulturellen Internetseiten. Die beste englische Seite ist www.smartshanghai.com mit Auflistungen von Locations und Events und einem Online Forum, in dem Bilder und Partyreviews gepostet werden. Portiers im Hotel werden euch auch die Anschrift von verschiedenen Locations in Chinesisch aufschreiben können und nehmt immer die Karte mit der Adresse von einem Club mit, wenn ihr wieder hingehen wollt. Ihr findet die ganzen Adressen und Telefonnummern der Clubs, die ich erwähnt habe, auf SmartShanghai und habt dort sogar die Möglichkeit, die Adresse auf Chinesisch auszudrucken. Und Events im „DKD“ findet ihr natürlich immer unter www.clubdkd.com

Ohyate: Wie denkst Du, sollte ich mich auf eine private Reise nach Shanghai vorbereiten?

Patrick Mai: Der beste Weg sich vorzubereiten, ist es, wenn man offen für NEUES ist. Shanghai ist eine gut entwickelte und internationale Stadt, wo jedoch zur gleichen Zeit sehr viele verschiedene Kulturen leben und vor allem verschiedene Sprachen gesprochen werden.

 Informiere Dich vorher, welche Temperaturen und welches Klima herrschen, dementsprechend sollten Deine Koffer gepackt sein. Ältere Gebäude sind meistens nicht so gut isoliert wie die in westlichen Ländern, soll heißen, dass Innen genau die gleichen Temperaturen wie Außen herrschen.
Bevor Du die Reise antrittst, solltest Du den Namen Deines Hotels auf Chinesisch in schriftlicher Form in den Händen halten, nur für den Fall, dass Du verloren gehst. Dies ist besonders wichtig, für Menschen die der englischen Sprache nicht mächtig sind.

Ohyate: Wie ist es mit der Sprache? Stimmt es, dass die Leute in Shanghai immer noch kein Englisch sprechen können? Und wenn es so ist, wie kann ich dort überleben?

Die Leute sprechen kein Englisch in Shanghai, jedoch ist es sehr einfach durch die Stadt mit einem Taxi zu kommen. In Shanghai gibt es auch ein U-Bahn System, welches allerdings noch nicht groß genug ist, um die ganze Stadt abzudecken. Dementsprechend schlage ich vor, Euch mit einem Taxi fortzubewegen. Die chinesische Adresse auf chinesisch niedergeschrieben ist die einfachste Art sich mit dem Fahrer zu verständigen. Shanghai ist eine gigantische Stadt und speziell, wenn sich ein Taxi Fahrer nicht so gut auskennt, wird er meist nach einer größeren Strasse fragen, die sich in der Gegend befindet. Wenn Du also nach einer Adresse fragst, lass Dir immer die nächst größerer Straße nennen, wie z.B.

Club DKD
458 Huai Hai Zhong Lu, in der Nähe von der Chongqing Lu*

Wenn Du “Huai Hai Zhong Lu, Chongqing Lu” sagst, weiß der Fahrer sofort wo sich der Club befindet. „Lu“ ist übrigens das chinesische Wort für Straße.

Ohyate: Welche Hotels sollte ich buchen?

Patrick Mai: Es hängt natürlich von Deinem Budget ab. Auch 5 Sterne Hotels sind hier zum Teil wesentlich billiger als im Westen. Ein Standard Hotelzimmer im 5 Sterne Hotel sollte nicht mehr als 150 Euros kosten. Das beste 5 Sterne Hotel ist das Jinmao Hyatt Hotel, welches sich im ehemals höchsten Gebäude der Welt befindet. Ich finde, dass das JW Mariot im Tomorrow Squre die beste Aussicht hat. Carl Cox und Armin van Buuren übernachteten in diesem Hotel und es gefiel Beiden sehr gut.

Budget Hotels, wie z.B. das Motel 168 und Midway Service Apartments kosten zwischen 60-70 Euros die Nacht. In diesen Hotels bringen wir unsere DJs unter. Diese Zimmer haben den Vorteil, dass sie ein Wohnzimmer haben und sogar eine Küche.

Letztendlich habe ich bisher in keinem Hotel in Shanghai übernachtet. Ich hörte jedoch, dass für Backpacker das Captain’s Hostel als sehr gut befunden wurde. Ansonsten einfach bei Google surfen.

Ohyate: Ist Shanghai eine sichere Stadt?

Patrick Mai: Shanghai ist unglaublich sicher, solange Du Dich wie in jeder anderen Großstadt verhältst. Natürlich musst Du auch hier – wie überall – auf Deine Geldbörse aufpassen, wenn Du großen Menschenmengen begegnest. Selbst abends kannst Du Dich quasi überall aufhalten, es gibt nur sehr wenige schlechte Gegenden.

Ohyate: Wenn ich mit dem Essen ein Problem habe, kann ich auch europäisches Essen bekommen?

Patrick Mai: In Shanghai selbst natürlich, jedoch außerhalb der Stadt wird es schwieriger. Shanghai ist voll von ausländischen Restaurants, viele könnt Ihr hier www.smartshanghai.com oder auf www.shepa.com.cn finden.

Außerhalb von Shanghai, wenn es wirklich europäisches Essen sein muss, sollte man sich nach einem McDonald’s, KFC oder Pizza Hut umschauen, die in ganz China vertreten sind. Wenn Du allerdings auch mit Fast Food nicht klar kommst, dann empfehle ich in einem 5 Sterne Hotel zu speisen, ist zwar teuer, jedoch bekommst Du dann genau das, was Du suchst.

Ohyate: Ist es schwierig in Kontakt mit Chinesen zu kommen?

Patrick Mai: Neben der Sprachbarriere, kann es manchmal ein wenig schwierig sein in die chinesische Community zu kommen. Chinesen sind im sozialen Umfeld nicht so offen wie die Menschen aus dem Westen. Jedoch sind sie unheimlich freundlich. Und merke, wenn Dich ein Chinese kennen lernen will, dann wird er sich auch richtig Mühe geben.

Ohyate: Welche Clubs neben dem DKD kannst Du empfehlen?

Patrick Mai: Club Gplus (für progressive Musik und internationalen DJs), Babyface (der bekannteste Club in China), Muse and Muse 2, Guandii (Hip Hop), Bonbon (für Studenten)

Mehr Underground: LOgO, Pirates, C’s Bar

Für Leute die Hipp sein wollen: Volar

Für Rockmusic: 4Live, Yuyintang, Ark

Auch hierüber kannst Du Dich auf www.smartshanghai.com erkundigen.

Ohyate: Welche Attraktionen muss man unbedingt gesehen haben?

Patrick Mai: Ich bin selber kein Tourist, aber es gibt Dinge, die man unbedingt gesehen haben muss: The Bund, Yu Gardens, Jinmao Tower und den Pearl Tower.

Ohyate: Da Du ja bereits seit 6 Jahren in Shanghai lebst, schaust Du Dir diese Orte regelmäßig an?

Hahahahaha. Nö. ;)

Ohyate: Stimmt es, dass wenn ich ca. 500 chinesische Symbole kenne, ich in der Stadt überleben kann? Und kann ich damit die Zeitung lesen?

Patrick Mai: Ich spreche beinahe fließend chinesisch und spreche fast flüssig auf Chinesisch im MSN-Messenger. Ich kann immer noch keine Zeitung lesen. Geschriebenes und gesprochenes Chinesisch besitzen verschiedene grammatikalische Regeln. Es ist wirklich schwierig perfekt im chinesischen Schriftlichen zu sein.

Ohyate: Wenn ich das wahre Shanghai erleben möchte, also das alte Denken und Leben, wo muss ich mich hinbewegen?

Patrick Mai: Der beste Weg das wahre Shanghai zu erleben, ist das einfache Herumlaufen und Entdecken. Speziell in der Gegend von „The Bund“ und im französischem Viertel gibt es viele alte Gebäude und Häuser. Es ist wirklich interessant zu sehen, wie diese das historische Wachstum oder Abrisse überlebt haben und natürlich gibt es neben den Standard Touristen Attraktionen viel zu entdecken. Sei abenteuerlustig und probiere das Essen. Es gibt Millionen von kleinen Restaurants und viele von denen präsentieren ihr Essen durch Fotos, wo Du nur noch drauf deuten musst. Letztendlich hab einfach Spaß und mache, was immer Du machen willst.

Ohyate: Fast zum Schluss würde ich gerne noch ein paar lustigen Geschichten hören, die Du in Deiner DJ Zeit erlebt hast? Da gibt es doch welche?

Patrick Mai: Oh da gab es so viele. China ist ein riesig großes Land und viele Städte entwickeln sich komplett anders als Shanghai. Ich spielte in Clubs in denen Kunden meine Musik nicht hören wollten und mich baten z.B. Hip Hop zu spielen. Ich spielte auch in Clubs die noch nicht einmal Monitorboxen hatten. Aber die wirklich außergewöhnlichste Erfahrung war, dass ich gebeten wurde einen auf MC während des Auflegens zumachen. Ich mixte gerade ein paar Platten als der Club einfach die Musik ausstellte, und mir ein Micro in die Hand gab. Ich fragte: „Was soll ich denn sagen?“…und sie sagten: “sprich mit den Leuten!“. Auch wenn ich flüssig chinesisch spreche…ich hatte keinen Plan, was ich sagen sollte. MCing ist was ganz normales in China, da die Leute sozusagen “hyped up“ werden wollen, um die Party wirklich genießen zu können, jedoch ist Shanghai noch nicht mal annähernd an diesem Punkt. Die einzigen Partys die einen MC nutzen sind natürlich die Hip Hop und Drum N Bass Events.

Letztendlich fragte ich ins Micro: “Hallo zusammen, wie geht’s?“…und alle drehten durch und freuten sich. Eine sehr ungewöhnliche Erfahrung.


Mein Rat an einen DJ der in China spielen soll: “Sei offen für was Neues und werde bloß nicht sauer oder zickig, wenn es zu merkwürdigen Situationen wie dieser kommt, denn das ist was ganz normales in China. Akzeptiere China für das was es ist und drücke die Party ganz langsam in die Richtung, in der Du sie gerne haben möchtest. Denn wenn langfristig denkst, hast Du die besseren Karten. ;-)“

Ohyate: Vielen Dank Patrick für dieses wirklich interessante Interview. Ich denke, ich spreche auch im Namen unserer User, wenn ich sage, wir freuen uns auf Dich und Deine Musik am 27.10. im Tanzhaus West. Möchtest Du zum Schluss unseren Usern noch etwas mitteilen?

Patrick Mai: Ja gerne. Vielen Dank für Euer Interesse an Shanghai und mir. Ich bin schon sehr gespannt auf Deutschland und ich freue schon, sehr bald bei Euch spielen zu dürfen.

 

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