Mehr Infos über uns und unsere Artists auf unserer neuen Webseite | Impressum

Wir sind umgezogen..

Besucht unsere neue Homepage!


We call it Techno! - Der Film
Specials | 31.05.2008 - 18:59:44
.. eine Doku über die Anfänge der Technokultur
Seite 1: We call it Techno! - Der Film

Ich war vor kurzem auf der Welt-Premiere des Dokumentarfilms „We call it Techno!“ von Maren Sextro & Holger Wick. Holger ist im Übrigen kein geringerer als Hoschi, bekannt aus dem Umfeld um Andi Düx und dem NOW Recordstore in Mainz. Er war auch ehemals A&R bei Tallas Label „Suck me Plasma“ und dürfte ausserdem mit seinen eigenen Veröffentlichungen manchen noch ein Begriff sein. Ein Jahr haben die beiden an dem Film gesessen, welcher ab Juni als DVD online erhältlich ist.

Die Premiere fand im Robert Johnson statt und neben allerlei interessierten Besuchern gab es auch viele bekannte Gesichter zu erblicken. So waren untere anderem anwesend: Tom Wax, DJ Meat vom Freebase Rec., Pauli & Blocker (Cocoon), Dj Dag, Armin Johnert (Discomania), Udo vom Palazzo, selbstverständlich Ata und viele mehr…

So saß man in gemütlicher Runde und genoss bei einem Bier oder Glas Sekt den Film, der eine Laufzeit von ca. 110 Minuten hat. Dabei ist es mir eigentlich gar nicht vorgekommen wie 110 Minuten. Ich hätte sogar noch länger zuschauen können und mit einem dicken Grinsen im Gesicht weiter all die wundervollen Bild-, Musik- und Intervieweindrücke in mich aufnehmen wollen. Auch wenn der Film sich nur auf die Anfangszeit der Technoszene Ende der 80ziger bis ca. 92/93 beschäftigt, so ist dies schon ein Wahnsinnsakt all dieses alte Bildmaterial zusammen zu tragen, welchem man öfters auch die bereits gealterte Vorlage anmerkte und so zur Authentizität beitrug. Schließlich wird über eine Zeit berichtet, in der an digitale Revolution mit DigiCam, DVD, Internet und YouTube noch nicht zu denken war. Die einzige digitale Revolution war die in der Musik, als mit elektronischen und technischen Mittel ein neuer Sound entstanden ist, der alles Bekannte umkrempelte und den Aufbruch in ein neues Zeitalter einläutete.

Dieses besondere Feeling in einer Zeit, in der Mauerfall und Perestroika aktuell waren, in der die schräge Mode der 80ziger noch großen Einfluss hatte und der Sound sich duch die technische Entwicklung immer mehr veränderte, dieses Feeling konnte ich in diesem Film spüren. Bei den Bildern aus den ersten Tagen, als Aktivisten in alten Fabrikhallen ihre Partys schmissen und alte Kellergewölbe gehüllt in Nebel, Licht und bunte Bilder die Disco ablösten, da spürte ich in mir wieder etwas wie Sehnsucht. Ein Gefühl nach einer Zeit in der alles im Wandel war und niemand wusste wohin die Reise geht. Es war eine Zeit in der etwas passierte, alles so spannend erschien und jeder ein Teil davon war. Egal ob als Publikum oder als Aktivist. Jeder spürte damals diese Energie, ein Teil einer Sache zu sein, die etwas bewegte.

Auch wenn ich erst irgendwann 1992 meine ersten wirklich intensiven Erfahrungen mit der Szene gemacht habe, so konnte ich eben diese meine Gefühle von damals in diesem Film wiederkennen. Auch wenn für mich persönlich die ganz große Zeit zwischen 93-97 war, so war dennoch die Präsenz dieser Zeit in diesem Film absolut nachvollziehbar. Wenn ich richtig darüber nachdenke so war der Virus „Techno“ im musikalischen schon lange bei mir angekommen gewesen. Denn ohne es zu wissen, dass es Techno ist, hörte ich Sachen von Westbam oder Torsten Fenslau und erst 1992 wurde mir mit einem Besuch in der Frankfurter Musik Hall bewusst, dass ich mein musikalisches zuhause gefunden habe.

Mit diesem Film wird ein Stück Musikhistory erzählt. Ich glaube, dass so auch junges Publikum, welches interessiert ist mehr über die Ursprünge zu erfahren, es mit diesem Film erfahren kann. So kann es lernen ein wenig mehr zu verstehen, was die Grundzüge dieser Musikbewegung waren. Welche Ambitionen, Vorstellungen und Energien dahinter gesteckt haben all dies voran zutreiben. Selbst die schon damals bestehenden Konflikte und Differenzen, die auch heute noch existieren, können so ein wenig nachvollzogen werden. Auch in die verschiedenartige Entwicklung und Auslebung der Szene in anderen Städten wird ein Einblick gewährt. So wird anhand der Beispiele Berlin, Frankfurt, Köln und Hamburg mal mehr mal weniger aufgezeigt wie die Evolution dort verlaufen ist, und welche Unterschiede es gab. Sehr witzig sind dabei die Kommentare über uns Frankfurter, welche man mit etwas Augenzwinkern als eine Art musikalischer Barbarenstamm mit charismatischem Anführer sehen könnte. *lol*

Neben eindrucksvollem Bildmaterial, welches so noch nie in der Öffentlichkeit zu sehen war, gibt es jede Menge Interviews mit Künstlern und Aktivsten. Sogar Leute wie Jürgen Laarmann von der Frontpage, dem ehemals größten Technomagazin, wurden wieder ausgegraben und durften sich neben Ikonen der ersten Stunde wie Tanith, Wolle XDP, Sven Väth, Talla 2XLC, Cosmic Baby, Mijk van Djk, Hell, Alex Azary oder Armin Johnert zu Wort melden. Ok, zu Wort ist etwas übertrieben, denn seine Stimmlage sorgte mitunter für viele Lacher und man hatte immer das Gefühl er fängt gleich an wie Ernie aus der Sesamstraße zu kichern. Aber gut, das ist nun wirklich ein ganz anderes Thema... 

Bei all diesen Interviews erfährt man jedenfalls viele Geschichten über die damalige Zeit und bekommt den ein oder anderen Einblick, wie jeder diese Zeit empfunden und gelebt hat. Dies alles wird immer wieder mit entsprechend Videos dieser Tage und vor allem Musik dokumentiert. Langeweile habe ich dabei nie gespürt, denn es fühlte sich alles wie eine Reise an, welche ich auf der einen Seite schon kannte und auf anderer Weise sich doch neu anfühlte.

Sicher wird der ein oder andere aus dem Hessenland finden, dass Frankfurt ein wenig zu kurz gekommen ist in dem Film. Aber man muss es einmal ohne den Frankfurter Tunnelblick betrachten. Die ersten Jahre wurden sicher von vielen Produktionen aus dem Frankfurter Raum mit beeinflusst. Neben Torsten Fenslau waren es vor allem Sven Väth oder DJ Dag, die mit ihrem Sound und Labels Frankfurt bekannt machten. Doch es war deutlich mehr Bewegung in Berlin, wenn es um Partys und Undergroundlocations ging. Meiner Meinung nach zog Frankfurt eh erst ab den Jahren 92/93 immer mehr nach und konnte es dennoch nicht - auf Grund der vorherrschenden Begebenheiten - schaffen so viele Möglichkeiten wie Berlin zu bieten. Aber, und das ist Fakt, Frankfurt wie Berlin hatten trotzt der Unterschiede beide ihren ganz eigenen und unvergleichlichen Charme und deshalb sehe ich die Berlin-Frankfurt Rivalität als absolut unnötig an. Der Film zeigt dennoch genug Einblicke in die Frankfurter Szene mit z.B. Eindrücken aus dem Dorian Gray oder Omen.

Wie ihr merkt bietet dieses Thema in all seinen Facetten viel Gesprächstoff. Die Macher gaben auch zum Anfang des Films in einem Kommentar bekannt, dass  man noch viel mehr hätte einbringen können, es aber eben in 110 Minuten gepackt werden musste. Es gab an die 50 Stunden Interviewmaterial und etwas davon wird es wohl auch auf die DVD als Extras schaffen. Sicher hätten veilleicht  Themen wie Drogen auch angeschnitten werden müssen. Aber man konzentrierte sich auf das Hauptthema. Die Musik, Clubs & Partys, ihre Aktivsten, Künstler und die Szene die daraus entstand. Für diese harte Arbeit, all dieses Material zusammenzutragen und in dieser Konstellation zusammenzustellen meinen Respekt. Es ist eine Wahnsinns Ansammlung geworden aus Zeitdokumenten, Interviews und Musik, die einen gewaltigen Eindruck hinterlässt. Ich kann jedem Interessierten oder Nostalgiker nur empfehlen sich diesen Film zuzulegen.

Vielleicht werden ja die Macher so motiviert eine Fortsetzung zu produzieren, die sich mit den nächsten Jahren beschäftigt. Mich würde es freuen, denn es gäbe sicher noch viel zu berichten, und warum sollte man nicht die vielen Geschichten und Erlebnisse aus dieser Zeit dokumentieren. Denn eines ist gewiss, diese Zeiten werden so nie wieder kommen. Momentan ist es mir unvorstellbar, dass es je wieder eine solche musikalische Revolution geben wird und sich mit dieser ein neuer Underground entwickelt, der mit seiner Eigendynamik eine ganz eigene Generation hervorbringt, wie es seiner Zeit mit Techno passiert ist. Auch wenn die Grundzüge im Mainstream und riesigen DJ-Gagen zum großen Teil ersoffen sind, es hat noch genug aus der Zeit überlebt und beweist auch heute noch, dass elektronische Musik mehr als nur ein reines Konsumgut ist. Das solch ein Film gemacht worden ist, ist der beste Beweis dafür. In diesem Sinne Euch allen „Peace, Love & Unity".

Es findet übrigens noch eine weitere Premiere in Berlin am 12.Juni 2008 im Kino Babylon statt. Alle Infos dazu gibts bei uns im Forum.

 

Kommentar schreiben
Name: *
eMail:
Homepage:
Titel:
Text: *

» Codes
» Smilies
eMail
Visuelle Bestätigung: =>

Auf Grund eines zu hohen Spamaufkommens in den Kommentaren, wird jeder Kommentar vom Admin geprüft und freigegeben. Wir denken dies ist auch in Euerem Interesse, da Ihr sicher auch keinen Bock auf Werbung für gefälschte Gucci-Taschen, Potenzmitteln und anderen Dünnschiss habt.

Eure ToFa


   Marco Achat
01.06.2008 - 11:44:50  

Der Film steht seit gerade eben auf meiner "Must-see"-Liste! - Ich gehöre der (etwas) jüngeren Techno-Generation an; bin seit ca. 95 mit dabei. "We call it Techno" scheint wirklich eine Zeit zu beleuchten, die es vielleicht alle 100 Jahre ein-zwei mal gibt. Im 20ten Jahrhundert war die Zeit um den Dekadenwechsel 80ziger/90ziger und die damit verbundene Technokultur eine davon. Ich bin sehr sehr gespannt! - Danke auch für diesen wunderbaren ersten Eindruck durch diesen Text. - 1A geschrieben! - In diesem Sinne...
Homepage    

   kukidenta
03.06.2008 - 21:10:03  

Schöne Review und danke für den link.
Das steigert meine Vorfreude auf die Doku noch mehr, vor allem wenn man den trailer sieht.
Pure Gänsehaut.
jubel-jubel-freu-freu 8)
Homepage    

   oldschoolffm
05.06.2008 - 09:39:08  

Viele Hintergrundinfos zum Oldskool-Techno aus Frankfurt/M. findet man im Blog
http://oldschool-ffm-techno.blogspot.com/
    


Seiten (1): [1]

zum Seiten Anfang
© 1999-2018 by Toxic Family | Realisiert mit apexx - © by Stylemotion.de | Optimiert für Firefox ab 3.5 & Internet Explorer 9
Besucher gesamt: 4.357.314 | Besucher heute: 157 | Besucher gestern: 765 | Besucherrekord: 9.668 am 03.08.2013
Werbeslots buchen please visit ToFa.Active