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Die Ära U60311
Specials | 26.06.2012 - 22:36:07
Ein persönliches Resümee
Seite 1: Die Ära U60311

Am 30.6.2012 wird in den Katakomben des U60311 unter dem Rossmarkt in Frankfurt noch einmal alles gegeben, doch dann ist Schluss. "Rienne va plus" lautet es und der Schreibfehler im Titel zur letzten Party ist irgendwie exemplarisch für diverse Fehler, die in den letzten Jahren begangen wurden. Zur Closing Party hat man noch einmal vieles an Acts versammelt, die auch in den Jahren zuvor meist regelmäßig an den Decks anzutreffen waren. Wirkliche Überraschungen blieben aber eher aus.

Wirkliche Überraschungen der positiven Art blieben schon seit geraumer Zeit aus. Eher negative Schlagzeilen und Geschichten, meist weitergetragen von ehemaligen Künstlern, Veranstaltern und Angestellten, machten die Runde durch die Szene. Für Viele, die schon länger in der Szene dabei waren, ist das U60311 schon seit ein paar Jahren tot.
Das Jungvolk interessierte die Politik und der Ruf des Ladens zuletzt allerdings meist wenig. Man war dem Zauber des Bunkers, seiner Musik und dem damit verbundenen Feeling erlegen und dies auch schon mal von Mittwoch bis Sonntagnachmittag.   

Ähnlich ist es mir und vielen Anderen Ende der 90s ergangen, als sich im Schließungsjahr des Omens 1998 nur ein paar Wochen davor die Türen zum neusten Underground-Club öffneten. Damals in den 90s war Techno immer noch verbunden mit dunklen, spartanischen Gemäuern, die den maschinellen Sound und seine Wirkung noch unterstützen. Mit dem Wegfall des Omens konnte die Eröffnung des U60311 den Zeitpunkt nicht besser treffen. Schnell holte man sich die Szene-Acts an die Decks und schon bald kristallisierten sich der Techno-Freitag und der House-Samstag heraus. Auch Sven Väth fand mit seinen Cocoon-Events in den ersten Jahren dort eine neue Heimat und schon damals waren die Grundzüge des noch Kommenden zu erkennen. Organische Deko und Kostüme, verwoben mit elektronischem Beat bis in den Morgen.
Wir waren oft zu Gast und konnten ab '99 mit den ersten Foto-Reportagen bei unseren Usern auf der Toxic Family punkten. Wir waren somit irgendwie schon von den Anfängen mit dabei.

Legendär waren die Donnerstage, wenn Chris Liebing und Pauli Steinbach nach Ihrer Radio-Sendung Pitchcontrol auf HR-XXL noch in die U-Bar (den kleinen, abgetrennten hinteren Teil des U60) einluden. Auch Chris Liebings „Es ist Freitag Aaaaabend“  dürfte den Techno-Jüngern des neuen Jahrtausends noch bestens in positiver Erinnerung sein.

Das U war aber neben dem Cocoon-Sound auch eine Hochburg des harten Technosounds mit dem bösen „S“-Wort. „Schranz“ versammelte das zum Teil sehr junge Publikum und brachte dem U60311 zusammen mit den Cocoon-Partys regelmäßig ein volles Haus. Doch ebenso auch ein Haus mit Problemen.

Niemand in der Szene machte einen Hehl daraus, dass es Drogen gab und diese konsumiert wurden. Für viele gehörte es dazu und zum guten Ton. Doch wo in den 90ern noch ein gewisses Maß an Diskretion in der Öffentlichkeit herrschte, wurde durch das Internet schnell die Hemmschwelle herabgesetzt und öffentlich über privaten Konsum geplaudert. Der Höhepunkt war, als Diskussionen im Gästebuch der U60311-Homepage sich so hochschaukelten, dass man letztendlich dieses einfach schloss und komplett abschaffte. Doch was es bis dahin dort zu lesen gab, hätte viele Eltern der meist jungen Raver entsetzt. Es war schon schlimm genug, wenn man in der Schlange am Eingang, noch bevor die Party begann in zig junge Gesichter mit riesengroßen Pupillen und zittrig nervösen Kiefer blickte. Oder wenn im Club die Kids versuchten, sich mit mehr und mehr Konsum den Kick zu verschaffen, den sie beim ersten Mal hatten. Doch wenn man die Wirkungs- und Arbeitsweise von Drogen nicht versteht, weil man sich nicht informiert, dann bringt es auch nichts Pillen wie Smarties zu fressen - was damals leider nicht ungewöhnlich war. Das Endresultat waren Massen an verpeilten, bleichen und zittrigen Ravern, die am Morgen, wenn die Sonne schon längst wieder schien, die Oberwelt betraten und wie Zombies durch die Innenstadt wankten.

Auch wenn dies typische Szenen für das damalige U60311 waren, so war es auch typisch für eine ganze neue Generation an Technojünger damals in ganz Deutschland. Da wunderte es auch keinen mehr, als die Zivilpolizei aufrüstete und dem jugendlichen Dealer von einem vermeintlichen Raver die Handschellen verpasst wurden.

 

Am 11. Mai 2002 geschah, was in vielen Clubs und Diskotheken in diesem Zeitraum passierte. Das U60311 wurde mit einer großangelegten Razzia in die Knie gezwungen. Ich selber, damals vor Ort, berichtete noch in der gleichen Nacht nur Stunden danach über den Toxic Family Newsletter. Die Razzia war eigentlich eine Angelegenheit des C.I.D. der für die damals in Frankfurt stationierten US-Amerikaner in der Army zuständig war. Diese waren regelmäßig zu Gast im U und es war kein Geheimnis, was diese dort alles so trieben. Mit Unterstützung der Deutschen Polizei wurde bei einer Cocoon-Veranstaltung am 11. Mai 2002 mitten im Set von Sven Väth die Lichter an und die Musik aus gemacht. Es wurde explizit nach Amerikanern gesucht und die deutschen Besucher sind mit einem Schreck davon gekommen. Es gab zwar vereinzelte Durchsuchungen der Gäste beim Verlassen des U60311, aber zu diesem Zeitpunkt hatte niemand mehr etwas Illegales bei sich. Die Geschichten, die sich über diverse illegale Substanzen und Tütchen auf dem Tanzbodenboden rankten, sind durchweg wahr.

Im Gegensatz zum Vorfall von Ostermontag 2011 reagierte die damalige Geschäftsführung wie es sich für Profis gehörte. Es wurden klare Statements auch vor der Kamera abgegeben und zusammen mit den Behörden wurde an Maßnahmen gearbeitet, um den Betrieb nach knapp 4 Wochen wieder aufzunehmen und die Defizite der Vergangenheit auszubessern. Zu diesem Zeitpunkt war das U60311 bereits legendär und erreichte auf diesem Zenit, was auch Clubs wie das Dorian Gray oder Omen zu ihren besten Zeiten geschafft haben. Die Partys waren Highlights und das Publikum kam regelmässig aus ganz Deutschland angereist, um dort feiern zu können. Kein Wunder, spielten doch all die großen nationalen wie auch internationalen Acts regelmäßig im U60. Dabei waren die Techno-Freitage wie auch die House-Samstage gleichermaßen beliebt. O.k. die Techno-Freitage etwas mehr. :D

 

Wir, die Toxic Family waren seit unser ersten Geburtstagsfeier im Jahr 2001 ein fester Bestandteil der U60-Familie und waren regelmäßig mit eigenen Veranstaltungen und Bookings vertreten. Es war eine Wahnsinns-Zeit und wir hatten immer riesen Spaß, wenn wir unsere Wochenenden 'unter Tage' verbrachten, egal ob als DJs und Veranstalter oder auch als Gäste, wie z.B. bei den Cocoon-Partys, den großartigen Geburtstagen von Karotte, bei Events mit DJ Dag, Paul van Dyk, den Turntablerockers oder Carl Cox. Wir haben die Techno-Freitage wie auch die House-Samstage einfach nur genossen. Dies war eine großartige Zeit in der wir viele tolle Leute kennengelernt haben, wie z.B. ein Schnick S. und Peter Latino, die mit ihren großartigen Quariat-Partys immer wieder für Highlights sorgten.

Doch nach der Razzia veränderte sich nicht nur die Szene sondern auch das U60311. Als erstes bemerkte man einen Besucherschwund, der wohl damit zu erklären war, dass gerade viel junges Volk nach den Medienberichten über die Razzia, den Drogenfunden und der allgemeinen Aufmerksamkeit auf die damit verbundenen Zusammenhänge in der Szene zu Hause behalten wurde. Das U60311 hatte auch weiterhin viele viele gute Partys, doch mehr und mehr fing es an problematisch zu werden. Die Zeiten bei der jeder Tag am Wochenende brechend voll waren, gingen Stück für Stück zurück im laufe der Zeit. Die Szene krankte allgemein irgendwann und sie veränderte sich immer mehr. Nicht nur musikalisch, die Techhouse und Minimalwelle kam so langsam, sondern auch in anderer Hinsicht.

Als 2004 der Cocoonclub eröffnete, da sah das U60311 keinen großen Handlungsbedarf. Zu sehr war in dessen Augen der Anspruch des Cocoonclubs und der des U60311 unterschiedlich. Doch es wurden neue Regeln aufgestellt. Mit dem Weggang der Cocoon-Events im U gingen auch die Cocoon-Acts.  Mit neuen Auflagen durften diese nicht mehr im Frankfurter Raum spielen, und wenn, dann eben nur im Cocoonclub. Eine Regel, die sich erst nach Jahren für einige Acts wieder lockerte.

Ob wohl der Name U60311 weltweit immer noch ein Synonym für die Technokultur in Frankfurt war, gab es im Detail immer mehr Seltsamkeiten. Zum Beispiel fiel auf, das DJ Karotte mehrmals im Monat spielte und auf einmal auch für einen Technofreitag gebucht wurde. Das man so einen DJ 'totspielt', wurde da wohl nicht bedacht. Letztendlich wechselte Karotte irgendwann in den Cocoonclub.

Auch wir bemerkten die Probleme: 2005 feierten wir (zusammen mit Karotte) noch das 5 Jährige Bestehen der Toxic-Family. Doch der 6. Geburtstag wurde übersprungen und der 7. wurde dann in unserer neuen Heimat, dem Tanzhaus West, begangen. Der Grund des Wechsels war einfach: So wie das U60311 zum damaligen Zeitpunkt  nicht aus dem Schlingern herausgekommen ist, so haben wir als Veranstalter kein Vorankommen mehr gesehen, da die Kommunikation einfach nicht mehr stimmte.

Bis zu diesen Zeitpunkt war es aber eine fantastische Zeit im U und wir haben das Team mit all den engagierten Mitarbeitern sehr schätzen und lieb gewonnen.

Es dauerte, bis das U60311 wieder einen Schub nach vorne bekommen sollte. Um dies zu erreichen musste es aber Wege gehen, die so manchem U60-Fan ein Messer ins Herz rammte.

Was bisher undenkbar war, wurde 2006 bittere Wahrheit: Es fanden ab dem Oktober 2006 regelmäßig Veranstaltungen mit Hip Hop und Black Music statt. Ein Sakrileg für die Technojünger, die trotz des Verfalls bis dahin immer noch dem U60311 die Stange gehalten hatten. 

Der nächste Schritt, Talla 2XLC und seinem Technoclub einen regelmäßigen Termin zu geben, war in meinen Augen legitim und sollte auch in den kommenden Jahren zeigen, dass die Veranstaltung aus dem ehemaligen Dorian Gray durchaus seine Berechtigung hatte im U60311 stattzufinden. Talla 2XLC hatte nach dem Ableben des Dorian Gray viele verschiedene Locations getestet, doch im U60311 blieb er am längsten.

In diesem Zeitraum konnten aber auch Veranstaltungen wie "Die Verdächtigen" rund um Michael Stapf, Michael Kohlbecker und Peter Eilmes aka Plattenpeter mit regen Zuspruch des Publikums und auch der Presse, in dem Fall der Raveline, positiv überzeugen.

 

Mit diesem Kurswechsel und dem breiter aufgestellten Programm schaffte man es vorerst zu überleben, um dann 2008 mit einem Wechsel der Geschäftsführung in neue Gefilde zu schippern.

Die neue Geschäftsführung war Alexander Eger, der bereits seit Jahren mit seiner 'Afterburner' Afterhour Reihe in der Szene bekannt war. Diese hatte zuvor im Fox & Fiddle seine Anfänge genommen und wanderte später ins U60311. Dort hatte schon Jahre zuvor Ziel100 mit „rUnterkommen“ das Thema Afterhour etabliert. Darüber werden sich auch diverse Geschichten erzählt, die seine Beteiligung am Afterburner Konzept umranken...  Doch dies ist eine andere Story.

Letztendlich wurde der Kurs ab 2008 neu angesetzt und was folgte, war ein zwar schwerer, aber dennoch erfolgreicher Weg das U60311 wieder zu einem angesagten Club beim Publikum zu machen. Die Methoden waren umstritten, doch sie funktionierten. Massen-Line Ups mit bunt gemischten Bookings, Abende vollgepackt mit Local-DJs, die gerade mal eine Stunde Playtime hatten aber Ihre Freunde mobilisierten, großangelegte Gästelisteaktionen und so weiter.

Dieses recht eigenwillige Verhalten brachte Einschnitte in die gesamte Frankfurter Szene und so mancher Club musste irgendwie mitziehen. Gerade all die Gästeliste-Aktionen haben einen Großteil des Publikums in Frankfurt verwöhnt. Doch letztendlich hatte es dem U60311 geholfen wieder voran zukommen. Dass man sich zwar als Mitbewerber über diverse ausufernden „Line Up-Booking-Gang-Bangs“ an manchen Abenden wunderte, war da nur Nebensache.

Die Szene machte generell durch die immer wieder ausgerufene Wirtschaftskrise, schwere Zeiten durch. Oft blieb das Publikum fern und so waren die Schnäppchen-Angebote mit Gästeliste und Co. ganz klar eine gute Sache. Letztendlich wurde über das U60311 aber auch wieder gesprochen und selbst ein Wurstverkauf an den normalen Tagen im Jahr 2010 schadete dem Ruf nicht groß. Denn Wurst hin oder her, wer auffällt über den wird geredet. Eine bessere Marketingstrategie gibt es nicht.

 

Ebenso erfolgreich in Sachen Marketing waren ehemals bis 2007 auch die U60311-Mix-Compilations auf CD. Zwischen 2001 und 2007 wurden 10 verschiedene mit Acts wie Chris Liebing, Karotte, DJ Rush, Tobi Neumann, Carl Cox, Kid Alex, Gayle San, Lexy & K-Paul und Felix Kröcher veröffentlicht. Mit dem Wechsel der Geschäftsleitung wurde dieses Konzept ab 2008 leider nicht fortgeführt. Man muss dazu aber auch sagen, dass die Grein-Brüder, die bis dahin das Sagen hatten aus dem Musikbusiness kamen und einiges an Erfahrung mitbrachten, wenn es um Herstellung und Vertrieb solcher Sachen ging.

Immerhin wurde versucht das Record Label „311“ zu etablieren. Doch auch dieses Ziel verschwand schnell wieder von der Agenda und das obwohl mit dem ersten Release „Tabasco“ von Peter Eilmes aka Plattenpeter & Micheal Kohlbecker ein waschechter Club-Hit entstanden ist.

Als der 2009 erneut vom U60311 wieder ins Leben zurückgerufene Hafentunnelrave angekündigt wurde, sorgte es für viele offene Münder, großen Erwartungen und jeder Menge Gesprächsstoff. Wie auch schon zu dem Zeitpunkt im Club war das Line Up bunt zusammengewürfelt und schon damals wirkte ein David Guetta zwischen Adam Beyer, Alter Ego oder Umek recht deplatziert. Die Umsetzung war dann auch mit diversen Problemen behaftet, die teuer verkauften VIP-Tickets entpuppten sich als Bierbank Area und die Getränkepreise waren auch jenseits von Gut und Böse.  Probleme mit der Anlage, sowie Kontroversen mit dem Ordnungsamt und der Lautstärke während der Verastaltung kamen hinzu. Es hätte ein toller Neuanfang werden können, doch so klappte es leider nicht. Somit blieb die Legende, um den Hafentunnel-Rave bei den beiden Originalen von 2000 und 2001.

Wie dem auch sei, ein zweiter Frühling war für das U60311 mit der neuen Geschäftsführung dennoch angebrochen und auch eine erfolgreich wiedererlangte Afterhour-Kultur mit dem Afterburner in der U-Bar zeigte, dass man am Puls der Zeit war. Somit wurde die 2008 von Room Division eingebaute LED-Decke in der U-Bar, mittlerweile 311 genannt, zu der Identifikationsikone, wenn es um den Afterburner und das U60 im Allgemeinen ging.

Auch für viele Künstler war das „neue“ U60311 eine Gelegenheit sich zu verwirklichen und zu entwickeln, allerdings zu ähnlichen Konditionen wie es schon damals der Cocoonclub vorgemacht hatte. Den neuen Resident DJs wie z.B. Peter Eilmes aka Plattenpeter, Alexander Aurel, Tom Schön oder Gregor Kempf wurde auferlegt, nur nach Absprache im Frankfurter Raum zuspielen. Oft wurde dies aber so oder so  geblockt. Die damalige Vinylbar war ganz tabu, obwohl viele dort Jahrelang bereits Auftritte absolvierten. Doch es zahlte sich für die Acts aus und so mancher Newcomer fing an davon zu träumen, einmal am Platz eines Resident Acts stehen zu dürfen.

Bis zum April 2011 hatte wir mit der Toxic Family immer mal wieder Veranstaltungen im U. Auch wenn die Konditionen und die Dates nicht die Besten waren, meist war Nature One- oder Timewarp-Weekend oder es war kurz nach Silvester, so konnten wir dies akzeptieren, denn wir hatten gemeinsam mit unseren Freunden, befreundeten Acts und dem Publikum jede Menge Spaß.  Das war uns immer wichtig gewesen und so nutzen wir diese Chancen gerne, ohne auf die Gagen zu schauen. Doch nach dem Ostermontag 2011 hätten wir dies auch nicht mehr vertreten können.

Schon zuvor war ein Wandel in der Aura des U60311 zu spüren. Immer öfters wurde von diversen Quellen über die interne Politik im Negativen gesprochen. Viel wurde gemauschelt, aber niemand mochte sich direkt und offiziell äußern.  Diverse Resident-DJs verschwanden irgendwann einfach aus den Line Ups und blieben dem Club fern. Auch der Technoclub suchte sich mit dem Monza irgendwann eine neue Location.

Es wurde sich über unbezahlte Rechnungen, mickrigen DJ-Gagen und freiwillig und gezwungen gegangene Mitarbeiter erzählt. Das ein Teil davon der Wahrheit entsprechen musste, dass zeigte sich mir, da mir im Laufe der Zeit  einige Betroffene über den Weg gelaufen sind, die auch rechtliche Schritte eingeleitet hatten. Der häufige Wechsel der Pressestelle unterstrich den Eindruck zudem, das im U ständige Wechsel stattfanden.

Somit war mein Vertrauen im April 2011 schon stark eingeschränkt. Doch bis dahin sah ich keine Veranlassung dem U60311 gegenüber negativ eingestellt zu sein, da man mich immer fair behandelt hatte und auch alle Abmachungen, ob schriftlich oder mündlich, eingehalten wurden. Wir hatten zudem auch regelmäßig Gästelisteverlosungen auf der Toxic Family und supporten die eine oder andere Party in unserem Newsletter.

Während im April 2011 die Frankfurter Clubwelt gegen das Tanzverbot an Ostern rebellierte, kratze dies ein U60311 wenig. Der problematische Abend Gründonnerstag auf Karfreitag wurde abermals als „Konzert“ betitelt und somit nicht als Tanzveranstaltung ausgewiesen. Es war Tradition, dass "der dritte Raum live" an diesem Datum spielte. Das auch noch zig DJs am Start waren, wurde nicht verheimlicht und bei Kontrollen wurde einfach die Musik leiser gemacht und das Publikum zum Rumstehen animiert.

Auch 2012 wurde dieses Spielchen wieder durchgezogen, obwohl der Rest des Frankfurter Nachttanzlebens zum Erliegen kam. Frechheit siegt bekanntermaßen und die Stadt war entweder zu doof oder wollte nicht kapieren, was da vor ihrer Nase gespielt wurde. Man könnte dies natürlich auch als einen gelungen Coup betiteln, aber da ein U60311 auch den Clubmeetings zum Thema Tanzverbot im Jahr 2011 fern blieb, kann man sich selber seine Gedanken dazu machen.

Doch 2011 wurde das Osterfest mit dem tötlichen und vor allem brutalen Vorfall am Ostermontag überschattet. Ein junger Brite, der mit seiner Freundin nur feiern wollte, wurde während einer Schlägerei von 3 Türstehern des U60311 zusammengeschlagen und erlag 2 Tagen danach an den Verletzungen, obwohl er, wie sich ein Jahr später bei der Verhandlung des Falls herausstellte, nicht der Initiator war und nur helfen wollte.

Zusammengeschlagen trifft es aber noch nicht einmal im Ansatz. Aufgrund seiner Verletzungen und den vielen Notoperationen danach war dieser Gewaltakt mit das Unvorstellbarste, dass mir in meiner 20 jährigen Szeneangehörigkeit untergekommen ist. Noch bevor nähere Einzelheiten bekannt wurden, war schon nach ein paar wiedersprüchlichen Posts auf der Facebook U60311-Fanpage klar, dass sich diese Sache auch im Nachhinein noch zu einem grossen Desaster entwickeln würde.

Vielleicht entwickelt man nach einiger Zeit ja ein Gespür für Dinge, die falsch laufen - mir war schnell klar, dass hier etwas geschehen war und noch geschehen würde, dass nachhaltige Konsequenzen für die gesamte Frankfurt Technoszene mit sich zieht. Wie auch schon bei der Razzia 2002 habe ich meine Pflicht als Szene-Onlinemagazin wahr genommen und angefangen, ausführlich und wertfrei darüber zu berichten. Meine eigenen aufgewühlten Gefühle außenvorlassend, habe ich mich hier auf der Toxic Family nur auf das Berichten konzentriert und eine Chronologie zum Ablauf der Dinge geführt. Dort könnt Ihr euch zu dem Vorfall in allen Einzelheiten informieren. Meine eigene Meinung wurde allerdings in dieser Chronologie nicht publiziert und erst heute lasse ich ein wenig davon hier einfließen.

Der Vorfall an sich war es nicht, der im Nachhinein die Szene in Frankfurt in zwei Lager spaltete. Niemand vom U60311, weder die Geschäftsleitung noch irgendwelche Mitarbeiter, haben jemals gewollt, dass so etwas passiert. Doch es bleibt ein bitterer Nachgeschmack, da es wegen der Tür schon mehrfach Beschwerden gab, die auch im Internet öffentlich von mehreren Usern angeprangert wurden.

Und so hätte es, auch wenn es das Verschulden einer Security-Fremdfirma war (die im übrigen niemals in der Presse erwähnt wurde), jemand die Verantwortung übernehmen und Konsequenzen tragen sollen. Im Normalfall heißt dies den Hut zunehmen und das Unternehmen zu verlassen, seinen Posten abzugeben, was auch immer. Dies wurde jedoch von der Geschäftsleitung des U60311 in keinster Weise getan. Abgesehen davon, dass das Krisenmanagement eine pure Katastrophe und beschämend war, war auch bei all den öffentlichen 3 Statements keine wirkliche Anteilnahme zu erkennen. Der Grundtenor zwischen den Zeilen lag immer darauf, dass das U60311 nun nicht den Bach runter gehe und man auf die Fan-Gemeinde baute.

Auch wenn das letzte und bereits 3. Statement vom Wortlaut schon besser formuliert war als die beiden misslungen Versuche zuvor, so war auch dort der Grundton eindeutig. Es ging immer nur um Schadensbegrenzung, nachdem man den Schaden eh schon unnötig, mit widersprüchlichen Postings auf Facebook und den missratenen ersten beiden Statements noch grösser gemacht hatte. Das „We are U60311“ las sich immer mehr wie eine Phrase und schnürte mir jedenfalls immer mehr die Kehle zu. Zu offensichtlich wurde gezeigt, was man wirklich wollte und bewies dies auch mit der Wiedereröffnung des 311, einen Tag nach dem Tod des jungen Briten.

Die Aussage, man hätte dies in Absprache mit der Polizei als beste Lösung empfunden, war purer Bullshit. Mir hätte die Polizei sonst was sagen können und ich hätte den Laden vorerst aus Respektsbekundung vor dem Toten und seinen Angehörigen zugelassen. An so einem Donnerstag standen keine hohen Gagen auf dem Spiel und die eingeteilten Mitarbeiter hätten sicher mehr als Verständnis dafür gehabt den Laden zu zulassen. Es ging hier allein darum, so schnell wie möglich wieder auf einen Normalzustand zu kommen, der sich aber nie wieder einstellen sollte und daran war man selber schuld.

Denn man kann es drehen und wenden wie man will, das U60311 - und damit meine ich nicht die Mitarbeiter, welche die Theken am Laufen halten, den Nachschub von Getränken sichern, die Toiletten sauber halten, die Technik funktionieren lassen, an der Garderobe oder an der Kasse sitzen ect., auch nicht die Djs, egal ob sie Eier bewiesen haben und aus dem U60 gegangen oder geblieben sind, ich meine den Rest. Den, der „das Sagen und die Verantwortung“ hatte. Dieser Rest hat sein wahres Gesicht grundlegend gezeigt, so wie es danach gelaufen ist.

Sogar die Polizei selber musste eine Pressemitteilung veröffentlichen, in der mit wiedersprüchlichen Ausagen, die weiterhin vom U60311 verbreitet wurden, aufgeräumt wurden.

Und genau dies alles ist es gewesen, was mich bestärkt hatte meinem Gefühl zu folgen und nach über 10 Jahren guter Zeit mit diesem Club abzuschließen. Es war auch nicht die Ansage des U60311 schuld, die über 10 Jahren bestehende Zusammenarbeit mit der Toxic Family zu beenden und mich zur „Persona non grata“ zu erklären. Es war einfach mein Bauchgefühl, dass  mir zeigte, dass ich mit diesem Club nicht mehr kann. Weder der Kopf noch der Verstand war es. Es war ein ungutes Gefühl, welches ich nicht ignorieren konnte und mich seit dem keinen Fuss in den Laden hat setzen lassen.

Wer mich kennt, der weiß, wie sehr ich in der Szene und mit der Musik verwurzelt bin. Für mich sind Sprüche wie „Peace, Love & Unity“ etwas Reales das ich erfahren habe und was mich geprägt hat. Für mich ist die Szene, das Nachtleben, eine Familie in der ich mich bisher immer geborgen gefühlt habe. Doch das U60311 passte mit seinem Verhalten nach dem Vorfall nicht mehr in diese meine Welt.

Also habe ich damit abgeschlossen und bewahre in mir all die fantastischen Erinnerungen aus über 10 Jahren Erlebten in diesem Laden. Vieles davon kann ich beim Betrachten der alten Bildergalerien wieder zum Leben erwecken lassen und auch jetzt habe ich ein Schmunzeln auf den Lippen, wenn ich an diese tolle Zeit denke. Dafür danke ich dem U60 und allen, die dies ermöglich haben.

Am 30.6.2012 ist dann Schluss mit der Ära U60311 und in Frankfurt kehrt endlich wieder etwas Ruhe ein, denn seit dem Vorfall spaltete sich die Szene in zwei Lager. Diese Spaltung führte sogar soweit, dass DJs, die weiterhin im U60 spielten, von bestimmten Veranstaltern nicht mehr gebucht wurden. Viele Resident DJs wie Sascha Lebemann, Gregor Kempf, Tom Schön oder Chris Hartwig hatten sich aus dem U60 nach dem Vorfall zurückgezogen. Viele andere Lokale, und auch bekannte Acts wollten nicht mehr dort spielen, weil sie die Vorgehensweise und auch zum Teil die interne Politik des U60311 verurteilten.

Dies uferte sogar soweit aus, dass die verbliebenen Resident-Acts „all day long“ auf dem Afterburner spielten, da im Line-Up riesige Lücken klafften. Die Lücken wurden dann mit der Zeit immer mehr mit “Newcomern” gefüllt. Fast schon lastwagenvolle Ladungen an Neu-DJs wurden mittwochs und donnerstags getestet und auch vermehrt an den Wochenenden eingesetzt. Qualität war da teilweise Nebensache. Was zählte war die Anzahl der erschienenen Leute auf der Gästeliste. Wer eine große Crowd hatte, der wurde bevorzugt. Bald las sich das Monatsprogramm wie in einem Jugendclub: kaum bekannte Namen. Headliner wurden mit dem Nachwuchs gemischt und nicht selten ging diese Mischung auch schon mal in die Hose.

Vor Jahren war es noch ein Ritterschlag, wenn man als DJ in den heiligen Hallen an den Decks stehen durfte. Heute ist dies nichts mehr wert, denn jeder durfte irgendwann einmal drüberrutsch... äh ran ans Mischpult. So übersah auch manch einer, dass ein U60311 hinter seinem Namen in Klammern nicht unbedingt die beste Werbung für sich war.

Der Markt an Newcomern bzw. die sich dafür hielten, wurde so innerhalb kürzester Zeit aufs Massivste überschwemmt. Doch bisher ist kein Grund zur Panik angebracht. Denn wie die Erfahrung zeigt, wird sich nur Qualität auf dem freien Markt ausserhalb des U60 durchsetzten. Egal ob analog oder digital, wer was drauf hat, bleibt. Der Rest verschwindet so schnell wie gekommen. Diesen Zyklus hat Frankfurt schon mehrere Male überlebt und auch wenn es jetzt etwas drastischer ist, so wird auch diesmal die Evolution siegen.

Es gibt zwar hartnäckige Gerüchte, jemand aus der DJ-Szene würde den Laden kaufen und weiterführen, doch stellt sich die Frage: wollen wir das wirklich?

Ich selbst bin mir da unsicher. Aus wirtschaftlicher Sicht ist der Name U60311 nicht mehr das wert was er mal war. Auch die Kaufsumme für das Interieur halte ich für überzogen. Wenn man bedenkt, dass der Mainfloor kaum noch voll war in den letzten Jahren, außer an besonderen Dates wie Silvester, wäre ein Fortbestand so wie bisher nicht ratsam. Das 311 alleine als kleiner Club hätte gute Chancen zu bestehen und würde gut in die momentane Frankfurter Szene passen, doch das U60311 als Gesamtkonzept hat es sich selber immer wieder mit leeren Mainfloor bewiesen, dass es in dieser Art überholt ist. Aber das ist nur meine ganz persönliche, bescheidene Meinung.

Wie auch immer. Jetzt wird für ein paar Monate erst einmal Ruhe sein. Denn solange die Stadt den angesetzten Umbau vornimmt, wird in den Räumlichkeiten kein Beat mehr ertönen. Was danach kommt, kann man noch nicht sagen. Da man ja verkündete, dass man als U60311 nur weitermachen könne, wenn sich ein Käufer bis zum 30. Juni 2012 findet, stehen die Chancen nicht gut, denn bisher lies man nichts verlauten diesbezüglich. Sollte der Fall dann doch eintreten, dass es als U60311-Konzept in ein paar Monaten weitergeht, kann man ganz klar sagen: "Verarscht Leute". Aber dies würde allerdings auch wiederum gut ins Gesamtbild passen.  

Die Fragen nach den Alternativen für das U60-Publikum lassen sich aber weitestgehend beantworten. Wer unter der Woche seine Dröhnung Musik braucht, der ist am Donnerstag in der Bar99 gut aufgehoben. Auch sonst bietet das Line Up dort eine gute Zuflucht für U60-Jünger. Mittlerweile stehen dort ebenso große Acts auf dem Programm wie auch diverse liebgewonnene Acts aus dem U60, die bereits im Vorfeld auf Tuchfühlung mit der Bar99 gegangen sind. Der Juli liest sich dann mit Namen wie Boris Brejcha, Sven Wittekind,  Dr. Hoffmann oder Gabriel Ananda ziemlich einladend. Klein aber fein ebend.

Im Monza ist es auch "ab und an" schön. Allerdings muss man sich dort das Programm am jeweiligen Tag genau anschauen. Denn sonst landet man auf einer Party, die sogar nichts mit dem zu tun hat, was man so musikalisch bevorzugt. Daeher, immer schön informieren und Line Ups studieren.

Ein guter Nachfolger, vor allem auch im Erscheinungsbild, ist das Tanzhaus West und Dora Brilliant. Die ehemaligen Industriehallen haben sich ja schon seit geraumer Zeit zu einem echten Highlight entwickelt. So können die Move und andere Großveranstaltungen punkten. Vor allem beim Preis-Leistungsverhältnis wird das U60311 um einiges getoppt. Mit Sicherheit werden auch die kleineren Veranstaltungen dort profitieren können und somit auch kleinere Veranstalter zu neuem Input verhelfen.

Der Cocoonclub wird je nach Programm, vor allem an den Freitagen, sicher auch ehemaliges U60-Publikum anziehen. Letztendlich heißt es: Probieren geht über Studieren. Auch Locations wie das Silbergold oder Off-Locations mit dem entsprechenden Soundangebot, könnten interessant sein. Dann gibt es noch DJ Pierre und seine monatliche Home im MTW. Auch bleibt es abzuwarten, in wieweit andere Clubs Neues in Ihrem Programm versuchen, um ein wenig mehr kompatibel zum ehemaligen U60-Publikum zu sein.

Letztendlich muss sich auch der noch so festgefahrene U-Jünger neu orientieren, wenn er Nachts Party machen will und wird dabei feststellen, dass das Nachtleben in Frankfurt sehr bunt und ansprechend sein kann, auch ohne das U60311. Es gehört außerdem schon immer zur Evolution dazu, dass man sich neuen Gegebenheiten anpasst. Wer dies nicht kann, stirbt aus oder in diesem Fall, bleibt zu Hause. Denn Eines ist sicher. Es gab auch ein Leben nach dem Omen und somit gibt es auch eins nach dem U60311.

Danke U für die tolle Zeit. Ich werde Dich nie vergessen.
Dein Grille

Update 03.08.2012

Der Affentanz geht weiter. Das U60311 ist in der Insolvenz und soll vorerst weiter geöffnet haben. Hier gehts zu den Infos: >> KLICK <<

 

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Eure ToFa


   Martina
27.06.2012 - 00:28:47  

Danke für den tollen Beitrag! Ich ging seit 1999 ins U und verbinde massig Erinnerungen. Hab auch noch einige Uturn-Hefte zu Hause und hatte früher im Kinderzimmer den bekannten U60-Spruch an der Wand. Es war eine tolle Zeit!
    

   Trulala
27.06.2012 - 00:59:05  

Trotz Allem was im U 60311 geschehen ist, finde ich das es immernoch der einzig wahre Technoclub ist in ganz Frankfurt . Ok , nichts gegen das Cocoon immer noch tolles Line Up (Chris Liebing,zuletzt Ida Engberg) und die Bar99 kann ich auch empfehlen. Aber fürs Tanzhaus West muss man sich wirklich als Technofan schämen.Wenn SOWAS der Nachfolgerclub vom U sein soll , gebe ich eher Techno ganz auf .Meine Meinung.
    

   Pinky
27.06.2012 - 12:58:44  

Danke Nico,
du hast es sehr gut beschrieben und meinen Respekt dafür, dass du dich einer persönlichen Wertung enthalten konntest, ich hätte es nicht gekonnt ;) = Zwinker
Schade für Trulala, dass er es nicht erkannt hat, aber an alle, die eine familiäre Atmosphäre und eine tolle Partynacht mit wirklich guter elektronischer Musik verbringen wollen ... Tanzhaus West, "Move"!
    

   Sven Puff
27.06.2012 - 13:04:23  

Sehr geil geschrieben,ich fühle es als wäre es gestern gewesen!
Danke an die Erinnerung!!!
We Love U60311 4-ever!!!!
    

   Faris Speckhardt
27.06.2012 - 14:56:47  

Das U war für mich damals wie mein 1. Zuhause, auch ich war nicht immer auf der höhe aber kann mich noch sehr gut daran erinnern. Ich weiss ich flog am 11. Mai 2002 in den Kosovo und war gerade am Militär Flughafen als mich Maßenweise SMS begruben. An eine davon kann ich mich noch gut erinnern "scheiße Psycho, hier sind überall Cops die machen den Laden dicht." Dann flog ich ab und kam im November wieder. Nichts war mehr so wie davor, die "Treppen-Crew" an der Hauptwache war weg, die Stimmung im U wurde immer schlechter und so blieb ich auch weg.
Meine Zeit als Party-Mensch ist rum ich bin Papa und Chef was bleibt sind gedanken an eine Zeit die keiner mehr in diesem Maße übertreffen kann und die Liebe zu Elektronischer Musik.
Ein Großes Dank auch an die Toxic Family.
    

   Ziel100
27.06.2012 - 17:15:38  

eigentlich wollte ich die vorkommnisse im u60 nicht weiter kommentieren, weil ich der meinung bin, dass man das u60 nicht mehr ernst nehmen kann und in folge daraus am besten ignoriert.

weil du, lieber grille, aber dich hier so episch ausgelassen hast, werde ich hier zum thema runterkommen/afterburner nochmal und einzig staten:
runterkommen war eine sehr erfolgreiche afterhour, zu seiner zeit die einzig amtliche in ganz hessen und ziemlich unvergleichlich. eine feste fanbase, ungeheuerlich gute laune, geringer eintritt und die leute kümmerten sich um die party und die party kümmerte sich um die leute. einzigartige kommunikation und einsatz führten dazu.

all-day-long-sets gabs damals schon (allerdings aus attitüde und nicht weil niemand gefunden werden konnte, der spielen wollte. ein afterhourset geht halt traditionell über viele stunden!) und wir hatten nie die bignames, dafür aber leute, die für die sache gebrannt haben und sets gespielt haben, die zur legende wurden. während wir in den ersten beiden jahren den sommer hinweg durchgespielt hatten und natürlich durch die witterung durch eine talsohle mussten, haben wir uns in der dritten und vierten season für eine sommerpause entschieden. just in dem moment kam der damalige f+b assi alex eger auf die idee, im fox+fiddle nur in den sommermonaten etwas zu starten, da es dort einen aussenbereich gibt.

ich habe das mit der geschäftsführung abgesprochen und für eine gute idee gehalten. gesagt getan und im fox+fiddle gestartet mit den gleichen djs, den gleichen grafiker, den gleichen besuchern. doch nach nur wenigen wochen war klar - die fehlende türpolitik und die nicht dauerhafte anwesenheit von mir führte dazu, dass die after nicht mehr der burner war und sich auch nicht mit meinen ideen deckte. alex eger wollte dann - bis zum herbst - die party allein noch weiterführen, was ich begrüsste, mich aber aus dem geschehen "afterburner" zurück zog.

was sich dann im fox+fiddle abspielte, weiss ich nur aus zweiter hand, weshalb ich das nicht weiter veröffentlichen möchte, es führte aber zu regelmässigen problemen mit den runterkommen stammpublikum, den ordnungshütern und den betreiber. die konsequenz war, das im herbst das fox+fiddle die after nicht mehr weiter machen konnte und wollte. zur gleichen zeit sollte runterkommen wieder an den start gehen und ich hatte bereits die ersten monate durch gebucht. ich habe das programm im u60 vorgestellt und alles wurde abgenickt. im rausgehen habe ich dann das neue u-turn gefunden und mir verschlug es die sprache: einen monat vor neustart von runterkommen gab es einen monat lang afterburner. die geschäftsführung erklärte mir dann, dass die after, die so garnicht mehr nach meinen geschmack war, aus dem f+f geschmissen wurde und ohne kosten für das u60 einen monat im exil in der u-bar stattfinden würde. das war für mich so undenkbar, dass ich sofort sämtliche parties, gastspiele und residenzen im u60 abgebrochen habe und mich im zwist vom u und im speziellen vom jetzigen gf alex eger getrennt habe.

der wiederrum übernahm sogar noch mein flyerkonzept und schrieb sinngemäß auf dem ersten flyer, wie schön es doch für frankfurt sei, endlich eine after zu haben, wo die gäste nicht mehr angst um ihre gesundheit haben müssten.
doppelironisch: denn der vorwurf stand eigentlich im raum bezüglich seiner veranstaltung, er unterstellte meiner friedlichen partyreihe etwas absurdes und wie wir alle wissen, sollte es noch während einer seiner afterburner parties zu einem toten kommen.

ich denke oft und gerne ans u60. die erste hafentunnelafterhour - pitchcontrol mit chris, pauli und so vielen gast-djs - meine 8-9-10 stunden langen sets.... aber das ist alles verschwommene vergangenheit und wie es letztendlich in den letzten 8 jahren im u war oder aktuell ist, kann ich nicht beurteilen, weil ich seit meiner "erfahrung" den laden ignoriere und mit abschicken von diesen statement auch wieder ignorieren werde.
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   Hans Markus
27.06.2012 - 17:29:48  

Schöner Text. Aber ich glaub einigen ist garnicht klar das das U60311 im September wieder öffnet. Mehr sag ich dazu nicht.
    

   Robin
27.06.2012 - 18:21:25  

Es gab schöne Momente im U, leider wurden diese immer weniger. Schon vor Ostern 2011 wurde mir der U-Aufenthalt dadurch vermiest, das ich meinem Hobby, der Event-Fotografie, nicht mehr fröhnen konnte. Es gab aber auch nicht mehr viel zum bildlich festhalten.

Leider wurde mir das Fotografieren im THW auch nicht mehr ermöglicht, was mich dazu veranlasste der Frankfurter Szene immer mehr den Rücken zu zukehren und mich mehr nach Mannheim auzurichten.
Darum freut es mich umso mehr, das 2 meiner Bilder hier in dem Beitrag verewigt sind und die damalige Stimmung wiedergeben können.

Merci Nico für deinen Beitrag.
    

   Andreas
28.06.2012 - 09:07:49  

Sehr schön auf den Punkt gebracht !
    

   zululu239
28.06.2012 - 13:13:28  

Also ich finde euer Resümee aus den letzten Jahren falsch dargestellt. Aus meiner Sicht ist das U60311 einer der besten Clubs Deutschlands und geht auch als dieser zuende.

Es gibt sicherlich einige Leute, die noch die älteren Zeiten miterlebt haben (sowie du auch) und mit der momentan Clubkultur, wie sie z.b. das U60 betreibt wenig anfangen können.

Aber ich habe Techno im U60 kennen und lieben gelernt und bis heute war beinahe jede Party dort ein Erlebnis. Gästelistenaktionen oder Friendslist sind schöne Geschänke an die zahlreichen fans und wieso sollten mittwochs/donnerstags nicht überwiegend neue Künstler auftreten. Das was wirklich den Ausschlag gibt sind die Events am Wochenende. Und große Namen waren aus meiner Sicht in letzter Zeit einige da.
Egal in welchen Clubs ich sonst war, das Konzept und das Publikum im U sind für mich eins der angenehmsten und ich denke das hat die letzte Zeit auch gezeigt , da der Laden meistens gut gefüllt ist .

Es gibt gewiss einige Leute, die schlechte erfahrungen gemacht haben mit dem U , aber ich kenne wenige Clubs die einem so viele Möglichkeiten bieten . EIne alternative in Frankfurt wird es so schnell nicht geben . Allein eine vergleichbare Location zu finden, ist fast unmöglich .

Ich werde den Bass vermissen, den du als allererstes hörst,
die Menschen die einem entgegenkommen schon wenn man die Treppe runtergeht, das Licht, das Gefühl nur mit Leuten zusammen zu sein, die dieselbe Liebe zur Musik teilen wie du.
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   Technobabe
28.06.2012 - 19:57:07  

Alles was hier steht stimmt schon...Ich habe da auch gearbeitet fast ein Jahr und kein Kommentar was da manchmal abging...Das haben sicher viele kommen sehen, dass es geschlossen wird...seit der Erföffnung des Cocoons hat sich die Menge des Publikums verringert...Ich kenne das U 10 Jahre...2002 das erste Mal dort...also für mich war 2002-2003 HAMMER!!!!!!!!!!!!!
RIP U
Sehr schade, aber Schuld sind wie auch in diesem Beitrag steht, die die das Sagen haben...
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   The Groove Cave
29.06.2012 - 21:36:18  

Ich werde jedenfalls die Jahre 1998/99 und 2000 in Erinnerung behalten! Das war meine Zeit im U60311! Nach der Schliessung des Omen und der Alten Giesserei 1998 in Heilbronn ging´s da noch für einige Zeit weiter und es wird für die Ewigkeit meine Legende sein! i love you U60311 and say good bye
    

   daturax
03.07.2012 - 00:34:10  

an meiner karre glänzte jahrelang ein, wenn auch nicht wetterfester, u60 aufkleber. aus überzeugung. aus selbiger habe ich ihn allerdings vor jahren entfernt :-( = Trauriger Smilie
    

   isa
03.07.2012 - 18:03:59  

hey Grille das BILD von mir ist aber echt lange her..;-) = Zwinker aber wäre schön wenn DU ess mir mal zukommen lassen könntest..,-)) Bussi ISA
    

   Blattsalat
07.07.2012 - 14:06:37  

Endlich hat das Leiden ein Ende und der Laden hat zu.
Zumindest hat es der Betreiber geschafft euch bei seiner letzten Party noch mal richtig viel Geld aus der Tasche zu ziehen.
Wo waren denn die ganz großen Namen der Szene die am Anfang liebend gerne das U gerockt haben beim Closing?

Naja, dem Betreiber wars egal, er hat rausgeholt was ging, ist trotz eigener Versprechen, innerhalb eines Jahres nach dem Vorfall an Ostern abzutreteten, noch am Ball geblieben.
Legt sich dann noch auf dumme Art und Weise mit der Stadt an.

Bedankt euch bei ihm dass das U nun zu ist.
    

   steven01
17.07.2012 - 17:54:09  

es wurde auch mal zeit das der laden endlich schliesst. dieses trauerspiel in den letzten jahren konnte man sich ja nicht mehr mit ansehen. seit 2000 war ich stammgast und es war für mich der beste club der welt, doch ca ab der razzia war alles rum. dieses flair welches das u damals hatte, wurde nie wieder erreicht, so viel mühe man sich auch gegeben hat, und die schönen verranzten betonwände, die gerade viel am flair ausmachten, bunt zu bemalen war dabei definitiv keine hilfe.
ich hab das u irgendwann nur noch ca 1 mal im jahr zu einem, sagen wir mal pflichtbesuch, besucht und jedes mal war die party immer schlechter. es hatte einfach nix mehr zu bieten. das publikum war mit dem früheren nicht zu vergleichen und von den lineups ganz zu schweigen.
die geschichte des u wurde in den ersten jahren geschrieben also sollte es definitiv vermieden werden, zu versuchen, die ära auf teufel komm raus weiterleben zu lassen. der club ist leider schon lange tot....
    

21.07.2012 - 18:47:57  

Jaja ich kenne das U nur aus neuerer Zeit (2004) und fand mich dann später nur noch zu den Tresorparties,wenn wir sie denn so nennen wollen,ein die kurz nach Neujahr stattfanden.Dort waren dann das letzte Mal als ich da war vielleicht 400 Leute im Hauptraum und die Türsteher waren derart und freundlich und zwielichtig,dass ich den Laden seit dem Boykottiere.Tja und dann kaum ein Jahr später knallte es dann und man bekam dann auch als Nichtgast immer mehr Insiderinfos mit,die man lieber nicht mitbekommen hätte.Wirklich unglaublich,dass der Betrieb noch so lange weiter ging.Aber gut der Zenit war schon verdammt lange überschritten und das mein ich nicht mal in Bezug auf die gute alte Technoknüppelzeit der fast alle nachtrauern.
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   Beobachter
22.07.2012 - 15:49:16  

Tja das mag ja alles stimmen bis auf die Tatsache, dass das U60311 an Tagen an denen Veranstaltungen wie DJ Rush und besonders beliebt war Hard Impact stattfanden,rappelvoll war. Außerdem finde ich es dennoch schade, dass im Artikel vorgeschlagen wird ins Tanzhauswest zu gehen und das THW seinerseits die Gunst der Stunde nutzt um die Preise zu erhöhen.Soviel Zusammenhalt in der Szene ist für mich ein Grund sich vom Techno abzuwenden oder es nicht in Frankfurt auszuleben . Aber eines Tages lässt sich unsere Stadt Frankfurt einen Grund einfallen um auch das THW abzureißen genau wie Omen damals.Da der Rohbau THW weder als Club nocht als Kunsthalle ersetzt werden kann.
    

   Grille
23.07.2012 - 17:52:20  

Also von einer wirklichen Erhöhung im THW kann man nicht grad reden. Die Eintrittspreise waren schon immer sehr flexibel je nach Veranstaltung. Was Fremdveranstalter machen is halt deren Sache. Aber die Tanzhaus eigenen Veranstaltungen sind meist sogar alles mit Friendslist oder super günstigen VVK.

Wenn man mal betrachtet das im U selbst Local-Dj-Nights oft 14,- oder gar 16,- Euro AK gekostet haben ist dies im direkten Vergleich im THW vom Preisleisungsverhältniss schon ein Unterschied. Man schaue sich nur mal eine Move auf 3 Floors an. Friendlist 8,- Euro AK 12,- oder 14,- je nach umfang der Bookings. Bei der Move oder einer Bar25 Tour-Nacht gabs noch mega Deko obendrauf und auch auf anderen VAs wird immer wieder neues in Sachen Deko und Gimmiks geboten. Wann wurde das U das letzten Mal mit Deko zu etwas besonderen gemacht?

Generell ist gerade das THW schon immer bedacht faire Preise abzuliefern. Wenn es jetzt doch mal ein paar Euro teurer ist, dann mit Sicherheit auch nur weil man mehr Kosten hatte. Das nur mal so zur Erklärung.. bin ja lang genug dort aktiv, um ne Beurteilung abgeben zu können. ;) = Zwinker
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