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Love Family Castle 2002 unter Polizeiaufsicht
Specials | 23.09.2002 - 14:03:50
Sicher ist sicher oder zuviel ist zuviel...
Seite 1: Love Family Castle 2002 unter Polizeiaufsicht

Aus den News bei uns von damals: Endlich is die Wahl vorbei. Nach dem Hochrechnungshickhack und den wenigen Infos welche ich auf dem Love Castle bekommen habe, war ich beim Erwachen heute dann doch erleichtert über das Ergebniss (is nur meine Meinung). Nach dem ich nun erst mal meinen fehlenden Schlaf nachgeholt habe, werde ich mich mal daran machen Bericht und Fottos zu 4 Jahre Toxic Genpool (was hat das gerockt) und Love Family Castle oder sollte man lieber Police Observation Castle sagen?

Nur so viel erst mal: Location und Musik waren der Hammer. Fürs Wetter konnte keiner was, aber wem stört schon so ein bischen Regen? Aber was sich die Stadt Koblenz mit dem Aufmarsch von zig grünen Schlümpfen da erlaubt hat spottet jeder Beschreibung. Doch dazu bald mehr wenn die Fotos fertig sind, denn es gibt noch andere Dinge zu berichtet welche im Vorfeld den Veranstaltern das Leben schwer gemacht haben. "Danke" an die Stadt Koblenz für ein Gefühl voller Sicherheit ... es lebe der Polizeistaat.

Grille

Es ist Sonntag der 22.09.2002 8.30 Uhr morgens und ich spiele gerade die letzte Platte im Space Place. Die letzen Töne von Dj Sasha´s "Wavygravy" verklingen und das erste Tageslicht macht sich beim öffnen des Tors im Space Place breit. So nun erst mal ab nach Hause. Dann noch geduscht, ab zu Wahl, versucht einwenig Energie noch zu tanken und dann ab nach Koblenz zum Love Family Castle.

Tja, wär hätte das gedacht, aber erst gegen 13 Uhr bewegte ich und meine Begleitung sich aus Frankfurt weg. Auf der Autobahn dann der erste Schock. Es regnete Hunde und Katzen. Tolle Aussichten für ein Burgfest. Aber egal, als alter Hardcoreraver hat man schon Schlimmeres überstanden. Ein wenig später kam ja dann doch die Sonne wieder raus. Mit 2 Red Bull mehr im Blut kam man dann auch um ca. 14.30 Uhr in Koblenz an. Nun nur noch die Parkplätze finden und eventuell das Chaos erwarten, man ist ja schließlich bei Großveranstaltungen einiges gewohnt. Die Parkplätze waren leicht auszumachen und schnell angesteuert.

Doch was war das? Relativ leer sah es hier aus. Zwei nette Jungs drückten uns nen Stadtplan in die Hand und verkündeten, dass man direkt hoch fahren könnte um zu parken. Na noch besser. Wie genial. Mit dem guten Ratschlag „doch aufzupassen wegen der Kontrolle der grünen Schlümpfe“ ging’s per Plan dann Richtung Festung. Na ja, Schlumpfkontrollen waren ja nix besonderes mehr, dass kann einen nach nem normalen Clubbesuch ja auch passieren und zu verbergen gab es eh nix. Aber dennoch fand ich es relativ blöd, vor der Party schon Autos auseinander zunehmen. Zum Glück konnten wir an der Kontrolle einfach vorbei, denn die waren mit zwei anderen Opfern beschäftigt. Nun gut, noch schnell Parkplatzgebühr gelatzt und sich dann startklar gemacht. Mit Regenschirm, Decke, Kamera und was man sonst noch so braucht, wurden die alten Gemäuer der Festung Ehrenbreitstein im lockeren Schritt angesteuert.

Die Einsatzgruppen der Schlümpfe war mit leuchtenden Raverjacken ausgestattet. Yeaaaa... die Baseline is zu hören und wir kommen immer näher. Und da war er... der wohl sicherste Eingang den eine Party je gesehen hat. Dort Schlumpfenwagen, hier Schlumpfenwagen. Waren wir richtig??? Vielleicht is nebenan ein internes Polizeitreffen oder so. Hmm.. Ok.... Karte raus, sich abchecken lassen und drinnen.


Endlich geschafft und die lockeren groovigen Töne der Housearea erreichen uns. Schad das es keine Wiese war wie letztes Jahr, aber zum Arschwackeln is es ja egal, ob auf Grünzeug oder Sand. Ok dann mal weiter zum Hauptfloor. Ahhhhh da also is die Masse... hmmm Wiese .... ok bissi feucht, aber egal.... Decke drauf und erst mal relaxen. Die Musik is nett und ein bekanntes Gesicht nach dem anderen läuft an einem vorbei. Yeaaaa... die Feierfamily is wieder mal zum großen Teil vorhanden, aber leider nicht nur die.

In Dreier, Vierer und Fünfer-Gruppen demonstrieren die Schlümpfe in grün Ihre Anwesenheit. Was soll´n das??? Bombendrohung??? Terrorraver??? Ne das war die „wir checken jeden der so aussieht als ob er grad was mit Drogen macht“-Mobile Einsatztruppe. Hallo ??? Ja wo bin ich denn?? Muss ich jetzt aufpassen, wenn ich mir nen Kaugummi in den Mund schiebe, denn es könnt ja was anderes sein?

JA MAN MUSSTE AUFPASSEN. Es ist traurig, aber es gab wohl mehr als Einen an diesem Tag, welcher wegen einer falschen Handbewegung mit nach draußen genommen wurde. Man musste echt aufpassen auf das was man machte, denn Schwupps schon kann´s einen selber erwischen. Man ist sich vorgekommen wie im Hochsicherheitstrackt, welcher sogar noch von einem Schlumpfhubschrauber mehrmals abgeflogen wurde. So was hat man ja echt noch nicht erlebt, dass es auf einer Party ein derartiges Aufmarschieren aus Schlumpfhausen gab.

Nach dem ersten Schock wurde sich dann doch erst mal wieder der Musik zugewannt. Die war recht angenehm und man verspürte den Drang sich bewege zu wollen. Dies hatte aber auch zur Folge, dass man den Drang pinkelngehen zu müssen verspürte. Na ja, aber an welcher der langen Schlangen vor den Toiletten geht’s nun schneller???

So stand man dann und hoffte, dass die Dringlichkeit nicht zur Peinlichkeit wurde. Ein Gutes hatte es ja. Man konnte echt witzige Gespräche führen in der Schlange. So wurde zum Beispiel darüber philosophiert, ob man nun seine gute Erziehung vergessen sollte, um hinter den Häuschen an die Mauer zu schiffen. Mit dem Einsetzten des Regenschauers wurde man dann doch überzeugt und tat was getan werden musste. Aber mal ehrlich, die Mauern stehen da schon ein paar hundert Jahre und haben bestimmt schon mehr aushalten müssen, als meine Pinkelbrühe. Außerdem war ich nicht der Erste, Welcher diesem Trend gefolgt ist. Die Damen in der Reihe wussten es zu schätzen, denn so kamen Sie nun doch schneller dran als erwartet.

Ja ja, das leidige Thema Toilette. Warum gab es nur so wenig? Vielleicht auch eine Auflage der Stadt???
Stück für Stück kamen mir nun die ganzen Infos zu Ohren, welches Chaos im Vorfeld wirklich abgelaufen ist. So durften von der Stadt aus z.b. diverse Deko oder Zelte zum Unterstellen, nicht aufgestellt werden. Angeblich wegen den Fluchtwegen etc. Der andere Knaller war, dass eine Woche bevor das Ding starten sollte die Stadt extreme Maßnahmen ergriff und die Teilnehmeranzahl auf ein erhebliches Maß runterschraubte. Deswegen musste es auch offiziell SOLD OUT heißen.

An der Tür wurde dann auch mit Lichtschranke versucht peinlichst genau die Teilnehmeranzahl festzuhalten, dass auch ja keiner zuviel reinkommt. Zu dumm nur wenn man die eigene Technik nicht bedienen kann und auch jeder grüne Schlumpf, der rein raus geht mitgezählt wird. Mit all diesen Schikanen und nur unter Präsents der Staatsmacht durfte das Ganze dann auch stattfinden. Damit hat sich die Stadt Koblenz ein echtes Armutszeugnis ausgestellt. Anstatt froh zu sein, das solch ein besondere Event dort steigt, welcher nach dem letzten Jahr mit eines der Highlights sein sollte, wird das ganze als eine Art kriminelle Zusammenkunft behandelt und den Veranstaltern das Leben schwer gemacht.

Die wiederum bekommen den Ärger der Leute ab, aber glaubt mir, wäre das LFC so gelaufen wie geplant, dann wäre es auch mit Regen ein megadickes Ding geworden. Ach ja der Regen... ja es schüttete gut aus allen Löchern, aber viele hat das nicht interessiert, es wurde einfach weiter gefeiert, oder sich schön kuschelig unter nen Regenschirm gestellt. Ja, so was kann ganz witzig sein.... auf jeden Fall. Na ja, nass war danach zwar dennoch fast alles, aber wen kratzt das, wenn die Musik da ist. So wurde nach dem Regen wieder losgewackelt und mal nen Abstecher in den Housefloor gemacht und dies lohnte sich, denn Marc Bean und später Tobi Neumann liessen es dick fett Grooven.

Im Ganzen war die Musik wieder mal echt fett. Sven hat mir am Schluss zwar erst so richtig gefallen, aber das sind ja immer so die Geschmacksfragen. Gerockt hat es jedenfalls da vorne richtig und Matsch hin, Matsch her die Leute hatten Ihren Spaß. Regen und Schlumpfattacke waren ganz vorne in der Menge vergessen. Zum andern getraute sich irgendwie auch keiner der Schlümpfe so richtig weit nach vorne. Tja, der Raver das unbekannte Wesen. Scheinbar bekommen die in Ihren Schulungen nur verpasst, dass der Raver jede menge Drogen konsumiert. Aber es hat Ihnen wohl keiner gesagt, dass eine Masse, welche kollektiv sich der Musik hingibt, nicht zu durchsuchen und ein echt beeindruckender Anblick ist. Das war es auf jeden Fall und als Sven in der Dunkelheit im Rotlicht noch mal richtig loslegte war die Stimmung am kochen. Währenddessen wurden die Wände vom Castles mit Lichteffekten und Bildern verschönert, was echt ein ganz anderes Flair rüber brachte als im Hellen.

 

Tja während Sven die letzen Platten spielte und wir uns die ersten Hochrechnungen der Wahl besorgten und heiß diskutierten, wurde es aber doch schon gut kalt. Bei der vorletzten Platte machten wir uns dann auch auf den Weg Richtung Auto. Jetzt war es nur noch die Frage, was kommt jetzt noch??? Nach dem ganzen Brimborium und dem Aufstand der Schlümpfe kommt doch garantiert noch ne Autokontrolle. Tja so war´s dann auch. Super, darauf hab ich mich echt gefreut, als ob ich net schon lang genug den Anblick ertragen mußte. Ich also angehalten und denen, ohne das die was gesagt haben, schon mal meinen Papiere in die Hand gedrückt.


Haben sie was getrunken?

Ähmmm, ja grad eben so ne Müller Schoko Coco Milch.

Haben sie Drogen genommen?

Ja den ganzen Tag.

Erwiderte ich im frech provozierenden Ton. Man da hab ich das Schlumpfinchen, was mich da kontrollierte, wohl ein bissi sauer gemacht. Sie erwiderte, dass sie nur Ihren Job mache. Ich darauf, sie solle es nicht persönlich nehmen, denn das ist mir bewusst. Ich aber für die Show, welche da oben auf der Burg abgelaufen ist ziemlich sauer bin.
Ich fragte ob denn dies echt nötig war, so einen Aufmarsch dort zu demonstrieren und wer das veranlasst hatte und aus welchem Grund. Damit war sie scheinbar nun doch einwenig überfordert und ehe sie was sagen konnte stand ein älterer Beamter vor mir, welcher mir zuhörte, während sie mein Kennzeichen überprüfte.

Ich frage warum dieser Aufmarsch heute sein musste, welcher in keiner Relation zu der Besucherzahl stand und ich so was, diesen Sommer noch nicht erlebt hätte. Darauf hin meinte er, ob ich denn auf der Nature One war und dann so nach dem Motto "wenn ich wüste was die heute alles gefunden hätten".  Witzig, die Nature war ja mal bissi größer und is mir auch scheißegal. Ich meinte, dass die einem echt die Stimmung versaut haben, weil man echt mehr als aufpassen musste was man macht, wie man sich bewegt und verhält, um ja nicht auffällig zu sein. Warum immer auf die Technoleute?

Sicher werden von vielen Drogen genommen, aber die Hip Hop-Kultur ist doch genauso schlimm. Dort wurden auch schon immer Nasen gezogen und auch Extasy hat dort mittlerweile seinen Siegeszug angetreten. Was sich die Leute auf den Rockkonzerten reinfahren damit wollen wir gar nicht erst anfangen. Warum also immer nur auf die Technoleute?

Sicher ich finde es Ok, wenn bei solchen Veranstaltungen Autochecks gemacht werden. Ich möchte auch nicht tot gefahren werde, nur weil einer druff oder unter Alkohol Auto fahren muss. Aber dann soll man doch die Leute wenigstens in Ruhe ihre Party feiern lassen und auch die Busse oder Taxis in Ruhe lassen. Aber nein, man wird mit Kontrollen davor, drinnen und danach wie ein Terrorist behandelt. Na danke.

Auf meine Frage, warum dies heut in der Burg so war bekam ich keine richtige Antwort und der Polizeibericht am nächsten Tag ergab grad mal 10 Fahrer unter Drogeneinfluss. Jedenfalls hatte ich meinen Aussagen die Beamten doch recht verdutzt bekommen. Man war es wohl nicht gewohnt mit solchen Fragen auf diesem Niveau konfrontiert zu werden. So einigte man sich dann auch friedlich.

Als Erkenntiss konnte man auch was mitnehmen.
Ersten: Auch Schlumpfinchen mag unsere Musik im privaten und jeder macht nur seinen Job.
Zweites: Mit dem richtigen Niveau kann man auch mal seine Klappe aufmachen und dann ohne Abtasten, Auto auseinandernehmen oder in die Augen leuchten wieder weiter fahren.

Grille

 

 

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