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DJ Dag (Cocoonclub, YouFM Clubnight)
Interviews | 01.10.2006 - 00:00:00
... im großen Gespräch mit Toxic Family
Seite 1: DJ Dag (Cocoon Club/Frankfurt) im Interview

Die Liste seiner Residencies liest sich wie das „Who-is-Who“ der Clubgeschichte. Seit 1993 spielt er regelmäßig in der Clubnight des Hessischen Rundfunks, er mixte die erste Clubnight-CD, er führte die in Singapore geborene Gayle San im Omen ein, Frank Lorber startete seine Karriere in den legendären Samstagnächten im Omen zusammen mit ihm. Mit Jam El Mal produzierte er unter dem Pseudonym „Dance 2 Trance“ Stücke wie „We came in Peace“, „Hello San Francisco“ und „Power of American Natives“, die als Meilensteine der Clubgeschichte gelten und auch heute noch jeden Club zum Kochen bringen. Er ist der Urvater des „Trance“, entwickelt seine Musik, die er seit jeher spielt, durch die Verschmelzung unterschiedlichster Stilarten stets weiter und versetzt bis heute die Clubs, in denen er spielt, in genau diesen Zustand… Trance. Trotz all dieser Erfolge ist DJ Dag jemand, der stets sich und seinen Idealen treu geblieben ist und unter vielen Egozentrikern in der Szene als absolut menschlich und überraschend normal hervorsticht. Und so wundert es auch nicht, dass das Interview in sommerlicher Hitze und die anschließende Fotosession vor dem Frankfurter Waldstadion in absolut relaxter Atmosphäre stattfanden. Wir bedanken uns bei DJ Dag für ein offenes Interview über die Leidenschaft zur Musik, stetigen Weiterentwicklungen und natürlich die Frankfurter Eintracht.

Markus: Hallo Dag, danke, dass du dir die Zeit für das Interview nimmst, wie geht es dir gerade?

Dag: Mir geht’s sehr gut, muss ich sagen. Waren jetzt Zelten gewesen ein paar Tage, ein bißchen erholt, sehr gut. 

Markus: Erstmal ein bißchen allgemeines zur Musik: Wenn man sich alte Sets von dir anhört, zum Beispiel Clubnight von 93 und 94 und mit den aktuellen vergleicht, dann hat sich vom Stil einiges verändert. Die Tracks, die du spielst sind vocal-lastiger geworden, auch housiger und im offiziellen Pressetext von der Clubnight heisst es, dass du eine „Mischung aus Tech-House, Progressive und Trance“ spielst. Wie würdest du selbst deinen eigenen, aktuellen Stil nennen?

Dag: Ich würde es immer noch Trance nennen, aber wie es da schon steht bei der Clubnight, ich spiele verschiedene Stile und lasse mich nicht festnageln auf eine Richtung. Das ist mir zu langweilig und es sollte schon etwas abwechslungsreicher sein. Aber den Hauptbegriff würde ich Trance nennen, weil es eine Musik ist, die mich in einen Trancezustand versetzen kann. 

Markus: Spielt für dich überhaupt diese Unterscheidung, die man da trifft, eine Rolle, also „Das ist Tech-House, das ist Minimal-House“ oder siehst du alle Spielarten als ein großes Ganzes, als elektronische Tanzmusik?

Dag: Also für mich ist das große Ganze immer Techno / House, wie es früher schon hieß. Das ist eigentlich für mich der Hauptbegriff. Aber natürlich muss man es auch in verschiedene Stile unterteilen, damit man weiß, in welchem Fach man die im Plattenladen einsortieren muss. Wo ich halt nicht dazu stehe, sind die ganzen kommerziellen Namen, die irgendwelche A&R' s weil sie eine Richtung brauchen, den Sachen geben . Aber die Namen, die in der Szene rumgehen, sind da eigentlich schon treffend.

Markus: Nochmal zum Thema Trance. Es ist ja so, dass sich mit der Weiterentwicklung der Musik einige der Djs, die man früher als Trance-DJs kannte, musikalisch stark verändert haben, teilweise spielen sie härtere Sounds, teilweise deepere Klänge. Du hast dich musikalisch ja auch weiterentwickelt, bei dir hat man aber das Gefühl, dass man zu deiner musikalischen Vergangenheit, zu dem, was du früher gespielt hast, stehst, während man bei vielen Djs das Gefühl hat, dass das, was sie früher gespielt haben, verleugnet wird. Wie stehst du dazu, wenn Djs teilweise früher bei Club-Rotation aufgetreten sind und da interviewt wurden und jetzt einen auf Undergrounder machen?

Dag: Ja gut, ich bin auch schon bei Club-Rotation aufgetreten und bin da interviewt worden *lacht*

Aber man muss seine Musik weiterentwickeln, man kann heute nicht den gleichen Sound spielen wie 95, deswegen muss man sich weiterentwickeln, das Rad muss sich weiter drehen. Aber meistens sind das die Djs, die damals schon auf den fahrenden Zug aufgesprungen sind und dann irgendwann nicht mehr dazu stehen und auf einen anderen fahrenden Zug aufspringen, weil sie denken, sie könnten damit Geld verdienen, machen ja auch einige schon. Aber das ist keine Weiterentwicklung der Musik, das ist einfach nur auf Züge aufspringen. Mit Musik machen hat das eigentlich nicht viel zu tun, weil man einfach nur Leute kopiert. Aber bevor ich damals nach Amerika bin, konnte ich meinen Sound auch nicht mehr hören, weil irgendwann wollen die Leute nur noch diesen Sound von einem hören und deswegen habe ich damals auch drastisch meinen Sound umgestellt. Wobei ich zu meiner Musik und der Musik, die ich gemacht habe, egal zu welcher Zeit, ich kann dazu stehen und sie gutheißen.

Markus: Wie sieht es denn deiner Meinung nach aus, was sind in der heutigen Zeit die Erfolgskriterien, um ein erfolgreicher DJ zu werden. Sollte man individuell sein Ding verfolgen oder versuchen, das zu spielen, was gerade angesagt ist oder gibt es da eine völlig andere Idee, die du hast um sie Newcomern auf den Weg zu geben, sozusagen: „So wird man ein erfolgreicher DJ“?

Dag: Also ich kann nur sagen, wie ich es gemacht habe, ich habe einfach nur den Sound gespielt, der mir gefällt und nicht was die Leute unbedingt hören wollen. Ich habe mir nie von jemandem sagen lassen „hier, du musst die Platte spielen“ wenn ich nicht dazu stehe. Ich spiele nur die Sachen, die mir gefallen und was mein Geschmack ist. Und das kann ich nur jedem empfehlen, das so zu machen und nicht irgendwas zu kopieren oder irgendwelche Stile zu kopieren. Heutzutage ein bißchen aus der Art zu schlagen, etwas anders zu sein als die anderen Djs ist sehr schwer. Die Djs heute mischen nicht mehr verschiedene Stile, so wie wir früher, so wie die Oldschool-DJs es gelernt haben, so in den 80ern, Anfang der 90er Jahre. Damals musste man noch alles mögliche an Stilen spielen, da ist man ein bißchen härter geworden, dann sind die ganzen Mädels von der Tanzfläche, dann musste man wieder ein bißchen Disco-mäßiger, in den Morgenstunden dann noch ein paar Rock-Sachen, und so individuell  zu sein, spontan Sachen zu spielen. Das macht heute ein DJ nicht mehr, die gehen in die sichere Schiene und meistens muss ich ehrlich sagen hört sich eine Platte an wie die andere. Ich gehe manchmal aus einem Club, nachdem ich ein paar Stunden da war und denke mir, ich hätte die ganze Nacht einen Loop gehört und das kanns irgendwie nicht sein, finde ich.

Markus: Es gab jetzt zum Tod von Mark Spoon einen Artikel in der Zeit, in dem der Wechsel vom Beruf des Djs hin zum Dienstleister vorkam. Wie stehst du zu der Aussage „DJ als Dienstleister“, dass Djs eigentlich nur da sind, das zu spielen, was die Leute gerade hören wollen?

Dag: Viele Djs sind auch so. Die werden gebucht, spielen zwei Stunden und reißen ihr Programm ab, gucken auch nicht großartig auf die Tanzfläche, außer es bewegt sich da mal was, aber da kann man schon vom Dienstleister sprechen, weil man geht halt hin, reißt seinen Job ab und geht wieder heim und nimmt die Kohle mit, das ist wichtig *lacht*

Markus: Ein bißchen zu früher: Mittlerweile gibt es ja doch relativ viele Classics-Parties und hört von Leuten, die schon lange in der Szene sind „Früher war alles besser“. Siehst du das ähnlich und trauerst der guten alten Zeit hinterher oder ist für dich ein Abend im Cocoon 2006 noch genauso wie ein Abend 92 im Gray oder 94 im Omen?

Dag: Genauso ist es nicht mehr. Zu Anfang, also Ende der 80er, Anfang der 90er war das ganze Ding neu, die Techno-Musik war neu, Ecstasy war neu, und heute ist es halt irgendwo schon Alltag geworden, das ganze Clubbing. Aber das ist für mich auch okay, dann wird es halt wieder wie Anfang, Mitte der 80er, wo es ein ganz normales Clubbing war, wo jeder in den Club gegangen ist, egal welches Alter, man hat sich da getroffen. Deswegen kann man heute nicht mehr von der Innovation reden, wie es damals war. Aber ich bin keiner, der der alten Zeit nachtrauert, keineswegs, weil das Rad dreht sich weiter und ich hab totalen Spass, im Cocoon zu stehen. Es ist wieder normales, angenehmes Clubbing .

Markus: Das mit dem weiterdrehenden Rad sieht man ja auch in einem „Frankfurter Urgestein“ der Clubnight, die ja erst von HR 3 zu XXL gewechselt ist und jetzt auf YOU FM läuft. Bei dem Wechsel von HR 3 zu XXL gab es auch eine Rundumerneuerung der Resident-DJs. Die ganzen Trancer sind gegangen und es sind relativ viele House-DJs, Tech-House Djs  dazu gekommen und du bist eigentlich der einzige verbliebene Trancer, der noch in der Clubnight auflegt. Findest du das schade, dass beispielsweise Ulli Brenner und Talla nicht mehr in der Clubnight spielen oder siehst du das auch als notwendige Weiterentwicklung im Sinne von „Das Rad dreht sich weiter“?

Dag: Ja, die Clubnight gibt es schon sehr lange und es ist klar, dass es da Entwicklungen geben muss. Oftmals bin ich zu Bookings gefahren als die Clubnight noch auf HR 3 war und da lief teilweise ein Geschrammel, bei dem ich mir dachte, wenn das jetzt ein Normaler – also einer, den wir mir unserer Musik überzeugen wollen –  hört, damit kann man den nicht überzeugen. Halbe Stunde später immer noch das gleiche, so dass man selbst als Techno-Mann nicht zuhören kann und da war mir schon damals klar, dass das irgendwann enden wird, dass irgendwann die Macher vom HR sagen, dass es so nicht weiter geht. Und dass sich das dann entwickelt, zu XXL sind junge Leute dazu gekommen, die versuchen, ihren Geschmack rüberzubringen, die ganzen Oldschooler waren dann nicht mehr dabei, die Musik wurde minimaler. Stimmt, da war ich der einzige, der diesen Sound dann noch gespielt hat. Aber das ist einfach eine Entwicklung, ich bin zwar nicht immer einverstanden, was da abgeht, aber ich mach da meinen Job und versuche die Zeit so gut wie möglich rüberzubringen, auch wenn es nur noch zwei Stunden sind.

Markus: Du warst ja auch der einzige, der sich in der Clubnight am Mikro öffentlich darüber beschwert hat, dass sie nur noch zwei anstatt drei Stunden geht. Aber wenn wir schon bei Veränderungen sind, wie denkst du, wird sich die Szene und die Musik in Zukunft weiterentwickeln?

Dag: Also ich hoffe, dass die Musik musikalischer wird, dass es mit diesem Minimal-Sound, den wirklich jeder machen kann in seinem Studio, dass sich das langsam mal weiterentwickelt. Ich muss sagen, ich kann mittlerweile einen Sound spielen, davon habe ich früher geträumt, schon im Omen habe ich von einem Sound geträumt, wie er jetzt eigentlich ist. Platten aus England oder Benelux-Ländern, die richtig innovativ sind, einen richtig abgefahrenen Gesang haben, wo man richtig merkt, die haben sich einen Kopf gemacht, das ist Musik mit Feeling und nicht einfach nur irgendwelche Dinger aus den 80ern gecovert sondern richtig neue Sachen mit neuen Ideen.

Markus: Meinst du, die Ideen kommen auch wieder in Deutschland, du sagtest ja eben „Produktionen aus England, Produktionen aus Benelux-Ländern“. Ist das eine Entwicklung, die auch in Deutschland kommen wird oder weiter mit importierten Platten spielen?

Dag: Es gibt auch deutsche Sachen, die gut sind, meistens die B-Seiten, da gibt es wirklich Sachen, die mir richtig gut gefallen, aber solange das so läuft, finde ich das okay. Lass da mal ein Major drauf kommen, da wird irgendwas gesigned und was derzeit als Underground gilt, wird gesignes und alles stürzen sich drauf und alle spielen den Sound und dann gibt es Djs ohne Ende, die diesen Sound spielen, auch schon wieder langweilig. Aber was in Zukunft kommen wird, ich habe keine Ahnung. Wahrscheinlich wird mehr Rockmusik und Popmusik, musikalische Musik immer mehr mit Techno fusionieren. Wenn ich jetzt in Rockstudios gehe, die arbeiten alle schon mit Computern, programmieren und da merkt man, dass das jetzt schon grenzübergreifend ist. Was vor 10 Jahren noch strikt getrennt war, jetzt vermischen sich die Grenzen. U2 hat damit angefangen und lassen sich ihre Sachen von Djs remixen, was ja auch schon ein Ding aus den 80ern ist, damals haben sich schon Frankie Goes to Hollywood, Talk Talk und wie sie alle hießen von Djs wie Ben Liebrand ihre Sachen remixen lassen, das weiss nur heute keine mehr. Das waren früher B-Seiten und das wird jetzt wiederkommen. Und irgendwann werden die ganzen Kids heute dem Minimal-Zeugs überdrüssig sein und werden sagen „so ne Melodie wär doch mal ganz schön oder n paar Flächen oder mal ne Stimme“ und da hoffe ich doch schwer, dass das Rad sich weiterdreht.

Markus: Also sozusagen die Verschmelzung von unterschiedlichen Musikstilen.

Dag: Ja, das ist das Gute an Techno, man kann alle Stile mischen, man kann alles in Techno einbringen und da wünsche ich mir halt schon, dass in den Studios mehr experimentiert wird.

Markus: Hoffen wir nur, dass kein Schlager reinkommt, das muss dann vielleicht doch nicht sein ;-)

Dag: In den 70ern gab es auch gute Schlager, da gibt’s nix. Nicht viele, aber ein paar Dinger gabs schon.

Markus: Von den 70ern und 80ern in die 90er, du hast ja einige Wechsel in deinem Leben gehabt, erst der Weggang in die USA, dann zurück ins U60, vom U60 wieder ins Gray gewechselt. Wenn du auf die großen Stationen zurückblickst, gibt es da irgendwas, von dem du sagst „hätte ich das bloß nicht getan“ oder würdest du das alles wieder so tun.

Dag: Klar, man macht nicht alles richtig, aber meine Wechsel die ich vollzogen habe in andere Clubs würde ich heute wieder genauso machen, auf jeden Fall. Auch das eine Jahr nochmal ins Gray zu gehen, wo ich gedacht habe „muss ich das machen?“,  aber ich hing halt zu sehr an dem Laden, da musste ich einfach wieder hin. Es war auch schön da nochmal ein Jahr zu arbeiten, auch wenn ich versucht habe, es nochmal ein wenig so zu machen, wie es früher war und das nicht hinbekommen habe. Aber trotzdem bin ich froh, dass ich da nochmal ein Jahr arbeiten durfte. Und jetzt natürlich, Cocoon ist der Hammer, es macht mir Spaß und das wird schon ganz gut so.

Markus: Gab es zum Wechsel in den Cocoon eigentlich irgendwelche speziellen Gründe oder hattest du einfach Lust im Cocoon aufzulegen oder wie kam es, dass du diesen Wechsel gemacht hast vom U60 in den Cocoon?

Dag: Ich war ja auch schon wieder 5 Jahre im U60 und ich habe immer das Problem gehabt, dass meine Leute, da ich ja für ein älteres Klientel spiele, nie abgefahren sind auf den Laden, den Club zu kalt fanden oder gedacht haben, dass da nur Teenies sind und es deswegen nie den Anklang gefunden hat. Man kann nirgends sitzen - ich habe auch keine Lust mehr, wenn ich 6 Stunden im Club bin, die ganze Zeit zu stehen – und dann habe ich den Laden auch nie richtig voll gekriegt. Und da war es für mich der Gang, der sein musste.

Markus: Und jetzt nach einem Jahr, die du im Cocoon spielst, wie siehst du die Reaktion auf deine Musik im Vergleich zum U60?

Dag: Also schon mal, dass es voller ist, wenn ich spiele. Und dann, im Cocoon zu spielen, ist etwas, was mir Spaß macht, es ist eine fette Anlage, das ist mir auch wichtig, dass ich einen fetten Sound habe. Und es ist einfach ein Laden, der mir vom Stil auch gut gefällt. Ich mag halt keine Beton Undergroundläden mehr, das sind 90er und die Zeiten sind einfach vorbei. Jetzt ist es an der Zeit, dass die Clubs mit Stil wieder gebaut werden und das gefällt mir am Cocoon gut. Es ist ein großer Laden, den musst du erstmal füllen, ich habe jetzt mit Deep Dish und Dave Seaman zusammen gespielt und trotzdem war es nicht richtig voll und es waren auch nicht mehr Leute da, als wenn ich alleine da bin. Jetzt habe ich erstmal meinen Geburtstag am 1. September, da  feier ich rein und da denke ich mal wird’s wieder richtig rocken.

Markus: Und wie sind die Reaktion der Cocoon-Betreiber, gibt es ein positives oder negatives Feedback, beispielsweise zum Musikstil oder lässt dir Cocoon völlige Freiheit?

Dag: Ich habe mir noch nie irgendwo reinreden lassen. Ich habe in Saarbrücken im Mirage gearbeitet, das war so Mitte der 80er, der zweite Club, in dem ich war und die wollten dann irgendwann, dass ich Modern Talking spiele für die „Champagner-Gäste“ und mir war klar, dass ich das nicht mache. Ich spiele nichts, zu dem ich nicht stehen kann und das hat der Betreiber dann geschluckt. Das war auch das einzige Mal, ich bin auch schon lange genug dabei und ich weiss, wie ich die Leute unterhalten muss und im Cocoon ist es eigentlich durchweg positiv, wie es ankommt.

Markus: Cocoon ist ja nicht nur der Club, es gibt auch die Summer-Residency auf Ibiza, das Label. Gibt es da Pläne, in Zukunft in die Richtung etwas zu machen? Also z.B. im Sommer auf Ibiza aufzulegen oder eine Produktion a la „Frank Lorber meets Dag“?

Dag: Nein, geplant ist da nichts. Ehrlich gesagt, ich spiele in dem Laden, aber mit dem ganzen drumherum habe ich eigentlich wenig zu tun. Ich gehe in den Laden, mache meinen Job und bin wegen dem Cocoon-Club da, alles andere ist eine andere Geschichte. Ich mache schon immer mein eigenes Ding. Klar, wenn die auf mich zukommen und fragen, ob ich mal woanders spielen möchte, gerne, aber ich halte mich da auch raus, ehrlich gesagt.

Markus: Aktuell gibt es ja einen neuen Mix von der „Power of American Natives“. Ist die Grundidee dahinter, dass du sagst, du möchtest Dance 2 Trance wieder auferstehen lassen oder hast du den Remix gemacht, weil du einfach wieder Bock auf die Platte hattest oder ist Dance 2 Trance etwas, was du in Zukunft wieder forcieren möchtest?

Dag: Für mich ist eigentlich Dance 2 Trance 1995 beendet gewesen. Da sind wir in so eine Schiene, eine kommerzielle Schiene reingekommen, die letzte Dance 2 Trance ist auch eine gewesen, zu der ich auch nicht mehr stehen kann. Die habe ich einmal im Gray gespielt und habe gesagt, das ist nicht mehr Dance 2 Trance und da war das Thema eigentlich beendet. Wir haben dann noch einige Remixe gemacht aber ich bin auch kein Freund von „alten Suppen aufwärmen“. Aber auf die Power of American Natives hatte ich mal Bock, weil die immer noch in die heutige Zeit reinpasst. Ich kann die alte Instrumental-Version heute immer noch in einem Club selbst in einem neuen Set spielen, weil sie nahtlos da reinpasst und deswegen hatte ich da mal wieder Bock drauf. Was da jetzt passiert in Zukunft mit Dance 2 Trance – es steht auch noch in den Sternen, wann die Power of American Natives rauskommt – das lasse ich mal locker auf mich zukommen. Aber das Thema war damals schon runtergeritten und von mir aus muss es auch nicht mehr aufleben.

Markus: Du hattest ja auch neben Dance 2 Trance Crazy Malamute als großes Projekt gehabt. Aktuell hast du ja eher relativ viele Produktionen mit wechselnden Partnern wie bei deinem letzten Album „Partners in Crime“, bei dem verschiedene Mit-Produzenten dabei waren. Ist das der Weg, den du jetzt weiterverfolgst oder strebst du wieder etwas großes an, mit mehreren Alben, die zusammen mit einem Partner produziert werden?

Dag: Ich nehme das so, wie es kommt. Im Moment arbeite ich an einem Projekt, das wird ein ganzes Album. Das heißt, dass ich mit einem Partner konstant über längere Zeit im Studio bin. Die ganze Zeit war es so, dass ich mit verschiedenen Partnern Singles produziert habe, also A- und B-Seite, und irgendwann haben die sich bei mir zu Hause gehäuft und deswegen habe ich auch die „Partners in Crime“ gemacht. Die Grundidee entstand gar nicht vorher, dass ich das so machen will. Das hat sich einfach so ergeben. Und so will ich das auch in Zukunft machen, so wie es sich halt ergibt und so wie das kommt. Natürlich würde ich mich freuen, wenn ich irgendwann einen Partner habe, bei dem ich sage: „ja geil, das ist der Hammer. Lass uns mal ein Projekt an den Start bringen“.

Markus: Ein bisschen weg von der Musik und der Musikentwicklung: Was ja auffällt, ist dass du ja jemand bist, der in der Techno-Szene wirklich sehr bodenständig geblieben bist und auch hinter deinen Fans stehst. Ich kann mich zum Beispiel an eine Clubnight im Winter erinnern, wo von dir die Durchsage kam: „Leute, fahrt vorsichtig“oder wo du im Stammheim nicht spielen konntest und dich im Radio bei der nächsten Clubnight entschuldigt hast, dass du nicht da warst, oder auch teilweise bei Parties außerhalb Hessens, die nicht wirklich gut besucht sind, bei denen du nicht reinkommst und sagst „Hier sind nur 50 Leute, ich gehe wieder“, sondern dass du wirklich sagst „Die Leute sind für mich gekommen, ich spiele hier“, du stehst also wirklich hinter deinen Fans. Was bedeuten deine Fans für dich?

Dag: Meine Fans...man merkt erst, was sie einem bedeuten, wenn man mal durch ein tiefes Tal gegangen ist. Wie du sagst, wenn man in einen Club kommt und dann sind nur 50 Leute da, dann kann man nicht sagen, dass das förderlich für einen ist. Und durch so ein tiefes Tal bin ich gegangen, und es gab immer einen festen Stamm von Fans – komisches Wort irgendwo, aber gut – und die sind mir mit durch dieses Tal gefolgt und das rechne ich ihnen hoch an. Und deswegen könnte ich sie jetzt nie, wenn ich jetzt wieder Erfolg hätte und beispielsweise in die Charts gehen würde, verleugnen, weil sie mir durch die bittere Zeit gefolgt sind und mir treu geblieben sind.

Markus: Und gibt es Städte oder Länder, von denen du sagst, dass du da unbedingt mal spielen möchtest?

Dag: Nee...ich habe schon viel von der Welt gesehen durch meinen Job, ich bin jetzt auch alleinerziehender Vater und ich könnte jetzt gar nicht mehr durch die Welt bummeln, morgen in Brasilien und übermorgen im Amerika, das ginge gar nicht und ich will es auch nicht mehr. Ich bin schon immer ein Typ, ich hätte am liebsten in Frankfurt einen Club und dann würde ich jede Woche da auflegen und ab und zu mal ein Booking haben, das ist eigentlich mein Ding. Ich bin ein Resident-DJ, ich will mit den Leuten experimentieren. Weil, wenn ich Bookings habe, dann muss ich jedes mal außer in einem Club, in dem ich schon oft war, und selbst dann muss ich trotzdem bei Platten immer wieder überlegen, ob ich die jetzt spielen kann oder ob mir die Tanzfläche leer geht, kann ich das riskieren und dann macht man es lieber nicht und in Frankfurt da habe ich meine Leute, die mir blind vertrauen und da kann ich experimentieren und da kann ich eigentlich meine Musik verwirklichen, die ich auch wirklich spielen will.

Markus: Jetzt kommen noch ein paar Fragen, die ein wenig in die Richtung „Dag privat“ gehen: Du bist, wenn man sich jetzt dich und andere Djs anschaut, eher ein untypischer Techno-DJ, als Biker und Rock & Metal-Fan, der beispielsweise mal eine Clubnight mit Metallica angefangen hast mit dem Intro aus der Klassik-Metallica-CD. Wie stehst du ansonsten persönlich zu diesem eher typischen „Techno-Ding“ mit einheitlichem Look und teilweise After-After-Afterhour-Parties, die dann bis Montagsmorgens um acht gehen. Ist das dein Ding oder hältst du dich da raus und hast eigentlich nichts mit am Hut?

Dag: Also, ich hatte meine heftige Zeit mit After-Afterhour und dass man dieses Techno lebt, diese Zeit habe ich schon Ende der 80er gehabt. Da habe ich dieses Ding durchaus gelebt, da bin ich auch gar nicht mehr zur Eintracht gefahren zu dieser Zeit, habe nicht einmal mehr einen Fernseher gehabt, nur Video geguckt und habe halt dieses Techno-Ding gelebt von morgens bis abends. Aber irgendwann war das vorbei, weil irgendwann ist mir das „gestern habe ich da aufgelegt und morgen fahre ich da hin und lege da auf, und kennst du die Platte und kennst du jene Platte und hast du das gehört in dem Lied“ zu langweilig gewesen und ich konnte es nicht mehr hören. Ich unterhalte mich gerne über Techno, aber jeden Tag ist mir das auf den Geist gegangen. Ich habe mich jetzt nicht bewusst aus der Techno-Szene zurückgezogen aber ich bin wieder mehr meinen Hobbies nachgegangen, Anfang der 90er wieder eine Dauerkarte für die Eintracht geholt, ab und zu auf Harley-Treffen fahren und ich bin einfach mehr meinen Hobbies gefolgt und da war Techno nicht mehr mein Hobby.

Markus: Was sind deine drei Lieblingsplatten, egal ob elektronisch oder nicht-elektronisch? Also die berühmte Frage: „Einsame Insel, was für drei Platten würdest du unbedingt mitnehmen wollen?“

Dag: Ja, ich würde jetzt auf eine einsame Insel nicht unbedingt eine eigene Platte mitnehmen, weil ich die schon so oft gehört habe *lacht* Aber ich würde – ohne die Insel und bleiben wir mal beim Techno, weil sonst gibt es zu viele, ich bin halt totaler Doors-Fan, Santana-Fan, da gibt es Lieder, die sind einfach unglaublich, aber Dance-mäßig ist für mich „Pete Bardens – In Dreams I Can Fly“ eine Platte, bei der ich sagen muss, die hätte ich auch gerne gemacht. Dann „Melt – Radioactivity“ finde ich eigentlich der Hammer. Und dann würde ich von meinen Sachen noch eine dazutun und da würde ich sagen „I Will Fight No More Forever“.

Markus: Und wenn du auf der einsamen Insel noch einen Videorecorder oder einen DVD-Player hättest, was für Filme würdest du mitnehmen?

Dag: Also, ich würde „Easy Rider“ mitnehmen auf jeden Fall. Und dann würde ich...immer habe ich mir gewünscht, dass ich die Frage gestellt bekomme und dann fällt mir nichts ein *lacht*. „Der mit dem Wolf tanzt“ ist auch geil, dann alte Klassiker, „Spartakus“ oder „Ben Hur“, sagen wir mal „Ben Hur“.

Markus: Und jetzt noch die allerletzte Frage. Jetzt, wo die Saison wieder anfängt, dein Tipp: Wo steht die Eintracht am letzten Spieltag?

Dag: Keine Ahnung, Hauptsache, sie wird nicht absteigen, das ist mir wichtig. Schön wäre es im Mittelfeld, damit man mal ein bisschen entspannter ins Stadion gehen kann. Dass sie sich im Mittelfeld festbeißen, das wäre schon cool, da wäre ich zufrieden. Aber wo genau, das wird man sehen in den ersten Spielen, wie sie sich benehmen.

Markus: Okay, das wars. Danke, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast.

Dag: Gerne.


Thanks for Fotos to  Andreas Glänzel & Markus Palleiro

 

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Eure ToFa


   Frank Haverkorn
01.10.2006 - 15:54:17  

Hallo!! Ein geiles Interview , gut durchdacht und informativ! Thanxx an DAG und TOXIC FAMILY!!!
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   Michael Lange
09.10.2006 - 10:58:57  

Wie immer ein perfektes Interview unseres Indianer. Einen besonderen Gruß an Frank Haverkorn, einem Mitglied der Faiercrew(www.Faiercrew.com)
    

   Oliver
19.10.2006 - 18:48:38  

Wirklich nice !!!!!!!!!
    

   De Hanauer
30.01.2010 - 10:05:50  

Sehr schönes Interview.
Seltsam wo man alles diese Haverkörner trifft ;-) = Zwinker

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