
Immer wieder machen Texte und Postings zum Thema “Vinyl vs. Digital” die Runde. Zuletzt hatte sogar Gordon von den Discoboys einen solchen Text verfasst und per Mail versendet. Auch anderen Orts kommen die Themen “Vinyl- und Digital-DJs” immer mal wieder auf und dann beginnt die selbe alte Leier zum Thema “Untergang der DJ-Kultur durch den Sync-Button” und “das Können oder eben Nichtkönnen” von Acts oder Möchtegern-Acts.
Gerade in den sozialen Netzwerken werden solche Texte und Posting schnell von Usern aufgeschnappt, kommentiert und verbreitet. Dabei kommt gerade aus den Reihen alteingesessener Vinyl-DJs meist sehr positives Feedback, wenn gegen die Digital DJs geschossen wird. Doch diese endlosen Diskussionen werden nun schon seit Jahren zwischen den Fraktionen ausgefochten. Oft wird hier allerdings sehr oberflächlich debattiert und Emotionen bestimmen die Kommentare und Reaktionen. Es scheint, als ginge es um Leben und Tod, nicht um eine sachliche Diskussion um Technik und Handwerk an sich.
Ich kenne als Künstler beide Seiten und bin bekanntlich ja schon lange in der Szene aktiv. Ich war 16 Jahre lang mit Vinyl an den Decks unterwegs und habe es mir ohne fremde Hilfe beigebracht. Die CD habe ich gekonnt ignoriert und bin nach langen Überlegungen und diversen und wiederholten Sofwaretests 2009 beim digitalen Auflegen gelandet. Die neuen Möglichkeiten der Technik haben in mir eine neue Art der Kreativität entfacht, die mir gegen Ende der Vinyl-Zeit irgendwie gefehlt hat.

Jede Änderung bedeutet, von alten Gewohnheiten loszulassen und sich auf Neues einzulassen. Das, was gewohnt und zur Routine geworden ist, wird durch neue Techniken, andere Geräte, anderes Handwerk zu einer Art Spielplatz - man testet, versucht, probiert - und es macht Spaß und lässt Neues entstehen, das doch irgendwie gewohnt wirkt. Denn die Liebe zur Musik bleibt - nach wie vor.
Es gibt daher eben auch Dinge, die man ruhig positiv betrachten kann und darf und natürlich haben die Kritiker mit einigen Dingen recht, so auch Gordon zum Teil in seinem Text.
Sicher gibt es (zu) viele Blender und auch viele überbezahlte Individuen, die sich im Mainstream festgesetzt haben und den “Berufsstand Deejay” und seine Tätigkeit ad Absurdum führen, weil nur noch eine Hülle von dessen präsentiert wird. Auch gibt es die vielen kleinen Möchtegerne, die um jeden Preis mit den großen Hunden pinkeln wollen und sich entsprechend verhalten… doch diese Leute gab es auch schon, bevor der Laptop am DJ-Pult Einzug hielt. Mir sind genug von diesen begegnet. Es ist also kein neuartiges Phänomen, sondern seit den 90s präsent, als an digitales Auflegen noch nicht mal zu denken war.
Natürlich gibt es Acts, die sich dank der Technik nicht sonderlich anstrengen oder Ihre Performance zum Teil faken. Natürlich erleichtert die Technik einiges, was früher schwer erlernt werden musste - doch auch damals fiel es einigen leichter, anderen schwerer. Das war schon immer so. Heute wird gerne pauschalisiert, mit dem Finger auf andere gezeigt und deren Arbeit mit Kommentaren wie “damals war das noch Handwerk” abgetan. Vor allem aber hat heute jeder zu jedem und allem dank Internet eine Meinung. Doch vieles ist mir davon viel zu plakativ, wenn mit dem Finger auf die Technik gezeigt und ihr alles Böse angelastet wird.
Doch bevor ich darauf eingehe und das Thema etwas intensiver betrachten werde, möchte ich kurz und pregnant an die verschiedenen Fraktion etwas los werden.
Soviel in Kurzform.
Ich selbst habe z.B. auch schon richtig böse Postings von einem über Facebook befreundetem (jetzt nicht mehr :D) DJ auf meiner Fanpage erhalten, die weit unter der Gürtellinie waren. Doch bei soviel Kleingeist stehe ich drüber, denn mit 16 Jahren Vinyl muss ich niemandem mehr beweisen, dass ich mit dem schwarzen Gold umgehen kann.
Zudem bin ich ein Voll-Nerd, der schon als Kind mit 12 Jahren auf Commodore Computer programmierte und darauf auch seine spätere beruflich Laufbahn einschlug. Somit bin ich mehr als dafür prädestiniert mit einem Rechner am Deck zu stehen und dessen Möglichkeiten zu nutzen. Der Schritt von Vinyl auf Digital war für mich wichtig, weil ich mich irgendwann mit Vinyl kreativ unterfordert und eingeschränkt gefühlt habe. Im Digitalen habe ich neue kreative Impulse und Energien finden können, die ich bis heute bei jedem Set aufs Neue verspüre, da ich mit Musik viel vielseitiger umgehen kann.
Gordon schrieb in seinem Text, man überlege wieder auf Vinyl umzusteigen, um so die Spreu vom Weizen zu trennen. Wenn sich die Discoboys dafür entscheiden, oder wer auch immer sich entscheiden sollte, wieder auf Vinyl umzusteigen, es wird der Sache dennoch nicht viel nützen. Die Mechanismen der Szene, dessen Publikum contra Marktwirtschaft arbeitet, haben nicht diese Entscheidung, ob Vinyl oder Digital, zu verantworten.
Sicher war früher ganz klar, dass ein DJ nur mit Vinyl oder CD spielt und er es in jedem Fall technisch / handwerklich, wie auch musikalisch auf den Kasten haben muss. Nur so konnte er beim Publikum bestehen. Genau das ist der Punkt. Das Publikum entscheidet! Auch wenn dieses vom Handwerk eines DJs keinen blassen Dunst hat. Mag sein, dass die Vielzahl an digitalen Möglichkeiten Musik zu präsentieren, von handwerklich anspruchsvoll bis zum größten Blendertum alles beherbergen kann. Am Ende entscheidet das Publikum. Manchmal “zum Glück” und manchmal eben oft auch “leider”.
Der Meinungskrieg “Vinyl vs Digital” ist bei den DJs seit Jahren am brennen und dies obwohl digitales Auflegen seit nun mehr als 10 Jahren existiert. Meiner Meinung nach könnte man dies zum Teil als eine Art Generationskonflikt ansehen. Doch dieser wird nur zum Teil vom Alter der Künstler bestimmt. Viel mehr geht es um deren Affinität zur Technik, denn es gibt genug Acts, die wie ich nach zig Jahren auf digital umgesattelt haben. Und es gibt ebenso viele, die dies vehement verweigern. Oft auch schon mal, weil sie mit Computern generell nicht viel Hut haben. Dies nimmt in Interviews dann auch schon mal seltsame Züge an, wenn mit Unkenntnis gegen die Technik geschossen wird.
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Auf Grund eines zu hohen Spamaufkommens in den Kommentaren, wird jeder Kommentar vom Admin geprüft und freigegeben. Wir denken dies ist auch in Euerem Interesse, da Ihr sicher auch keinen Bock auf Werbung für gefälschte Gucci-Taschen, Potenzmitteln und anderen Dünnschiss habt.
Eure ToFa
18.01.2014 - 19:34:57 |
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20.01.2014 - 14:33:55 |
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21.01.2014 - 09:17:51 |
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23.05.2014 - 11:30:12 |
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